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SWR1 3vor8

Das Christentum in Europa hat mit einer Frau angefangen! Daran erinnert die biblische Geschichte, die heute in den evang. Gottesdiensten bedacht wird. Wirklich! Eine Frau war die erste Christin in Europa.
Von Anfang an haben Frauen Entscheidendes, Wegweisendes eingebracht. Frauen sind nicht nur gut für Altenpflege und Sozialarbeit. Sie können auch Verantwortung übernehmen. Eine Frau war damals der Anfang, gewissermaßen die Voraussetzung dafür, dass sich das Christentum in Europa entwickeln konnte.
Ich finde, dass ist heute noch so. Zum Beispiel wo Frauen Kinder erziehen. Was sie denken und glauben, geben sie an die Kinder weiter. Da machen sie einen Anfang, auf dem die Kinder später weiter bauen können, wie es ihnen richtig scheint.
Die Frau damals hieß Lydia und war griechische Purpurhändlerin. Paulus, der Prediger des christlichen Glaubens kam nach Griechenland, aufgrund eines Traums. Den Traum hielt er für einen Auftrag Gottes und reiste per Schiff nach Mazedonien. Dort hat er dann diese Lydia getroffen. Die Bibel erzählt in einem einzigen Satz, was sie erlebt hat: „Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia hörte zu; der tat Gott das Herz auf, so dass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde.“ (Apg 9, 14)
So also fängt es an mit dem Glauben. Mit Zuhören. Erst einmal hört Lydia zu. Sie sagt nicht gleich: Ein Mann hat mir gar nichts zu sagen. Sie sagt nicht: Dieser Paulus ist ein jüdischer Professor, den will ich nicht hören. Oder: Den versteh ich sowieso nicht. Lydia hört zu. Das kann sie, weil Sabbat ist, der arbeitsfreie Tag. Da hat man Zeit, zuzuhören und sich Gedanken zu machen.
Und dann hat Gott ihr das Herz aufgetan. Lydia hat gespürt, wie ihr das gut tut, was Paulus gesagt hat. Wir Christen heute nennen das den Geist Gottes, der ihr das Herz geöffnet hat. Da konnte sie das glauben, was Paulus gesagt hat. Da konnte sie darauf vertrauen, dass Jesus Christus auch für sie zur Welt gekommen ist. Dass auch sie leben kann, unbelastet von dem, was vorher war.
Damals galten Frauen nicht viel. Aber Lydia hat begriffen: Für Gott bin auch ich als Frau ein gleichwertiger Mensch. Und sie hat gespürt: Das kann nicht folgenlos bleiben. Damit muss ich ernst machen und Verantwortung übernehmen. Deshalb ließ sie sich taufen und alle anderen in ihrem Haus auch. Außerdem hat sie Paulus und seine Gefährten eingeladen, in ihrem Haus zu wohnen. Das war gewissermaßen eine erste christliche Gemeinde.
So hat das Christentum in Europa angefangen. Mit Lydia, einer Frau, ungefähr im Jahr 50 nach Christus.
Ich glaube: So fängt der Glaube heute noch an.

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