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SWR1 3vor8

 (Zu Maleachi, 3, 1-4)                                                                 

Gesetzt den Fall ich glaube an Gott und an ein Leben nach dem Tod:  wie stelle ich mir das dann vor? Ich kann es mir nur vorstellen, denn zurückgekommen ist ja noch kein Sterblicher. Und es hat noch keiner davon erzählt wie sie ist, die Begegnung mit Gott, Allah oder dem Unaussprechlichen. Aber halt, könnte man sagen, es gibt doch Nahtoderfahrungen, mit Licht, Liebe, Wärme und Geborgenheit. 
Ja, schon, ich glaube das können schon Spuren sein, Ahnungen davon, wie es ist, wenn man dann ganz „drüben“ ist. Ahnungen die denen der Mystiker gleichen, wenn sie sich durch Gebet und Meditation so weit von der Welt lösen, dass sie ins Grenzgebiet des Göttlichen kommen. Und es gibt die die Visionen der Propheten, dieser kantig-knorrigen Gestalten aus dem Alten Testament der Bibel.
Der Prophet Maleachi zum Beispiel. Er hat vor rund zweieinhalbtausend Jahren gelebt und seine Worte sind heute in den katholischen Kirchen zu hören. Maleachi vergleicht die Begegnung von Gott und Mensch mit Feuer und Silber im Schmelzofen. Wo das Silber vom Feuer geschmolzen und von Verunreinigungen befreit wird. Reinigung und Veredlung sind Vorstellungen, die auch heute noch von vielen Menschen geteilt werden, wenn sie darüber nachdenken wie es sein könnte wenn sich Gott und Mensch begegnen.
Dass Gott in seiner unermesslichen Größe und Kraft den Menschen von all dem reinigt womit er sich selbst und anderen geschadet hat. Ihn wieder göttlich „veredelt“.
Ein kräftiges und strenges Bild.

Ein anderes Bild hat der Apostel Paulus rund 500 Jahre später. Er vergleicht die Begegnung von Gott und Mensch mit einem Spiegel. Ich mag dieses Bild, weil mir die Situation so vertraut ist. Weil ich so oft, wenn ich in den Spiegel schaue, gedankenlos an mir vorbei oder durch mich hindurch schaue. Manchmal aber erkenne ich mich selbst, ein Stück weit wenigstens. Und so kann ich das Bild des Apostels Paulus sehr gut nachvollziehen, wenn er über die Begegnung von Gott und Mensch schreibt: „Denn jetzt schauen wir wie durch einen Spiegel im unklaren Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich voll erkennen, so wie auch ich voll erkannt bin.“(1Kor. 13, 12f.)

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