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SWR1 3vor8

2. Sonntag im Jahreskreis (A)

Braucht Gott einen Sohn? – das behauptet jedenfalls Johannes der Täufer. Er hat Jesus im Jordan getauft. Beide haben sich gekannt und geschätzt. Johannes bezeugt: „Jesus ist der Sohn Gottes.“ So steht es im Neuen Testament. Davon ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören.

„Jesus ist Gottes Sohn“ – das gehört seit jeher zum Glaubensgut aller christlichen Kirchen. Trotzdem frage auch ich: Hat Gott einen Sohn? Braucht Gott einen Sohn? Und was heißt das für Menschen heute, die sich oft schwer tun mit überlieferten Glaubensformeln?

Jesus hat sich jedenfalls nach den Evangelien mit keinem göttlichen Titel anreden lassen. Er hat sich sogar dagegen gewehrt. Als ihn jemand unterwürfig mit „Guter Meister“ anredet, antwortet Jesus kurz angebunden: „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein“ (Markus 10,18).

Bald nach seinem Tod am Kreuz waren die Frauen und Männer um Jesus zutiefst überzeugt, dass ihr Meister nicht im Tod geblieben, nicht im Nichts versunken ist. Sie glaubten: Er lebt - Gott hat ihn in sein Leben aufgenommen. Unter diesem Eindruck sind die Evangelien entstanden. Und die glaubende Gemeinde hat angefangen, den Titel „Sohn Gottes“ für Jesus zu gebrauchen. – Aber warum?

Ich halte zwei Überlegungen für wichtig. Einmal erinnerten sie sich an die einzigartige, unmittelbare Gottverbundenheit, aus der Jesus gelebt hat. Und wie innig er Gott seinen „lieben Vater“ genannt hat. Auf ihn hat er sich stets berufen, bei allem, was er geredet und getan hat.

Das heißt aber auch: Gott war immer bei Jesus. Ich verstehe die Evangelien so: Gott spiegelt sich in Jesus. Als ob er sagen wollte: das, was ihr von Jesus hört, was ihr bei ihm seht – das bin ich selbst, das ist Gott selbst.

Und für diese einmalige Beziehung stand damals der Titel „Sohn“. Das schöne Bild der Sohnschaft bringt auch das zum Ausdruck: Gott ist in seinem Innersten menschlich. Menschlich im Sinne von ganz Mensch und menschlich durch Liebe.

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