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SWR1 3vor8

Taufe des Herrrn

Vor anderthalb Jahren habe ich mir einen Hund angeschafft, den Kuno. Die Kinder in meiner Kirchengemeinde haben mich gefragt, ob der Kuno auch getauft wird. Meistens habe ich ihnen so dem Sinn nach geantwortet: „Nein, Hunde werden nicht getauft; sie sind ja keine Menschen.“ Im Nachhinein ist mir dann aufgefallen: Eigentlich ist das ein schöner Gedanke, wenn Kinder sich in dieser Weise um ein Geschöpf sorgen. In ihrer Frage kommt jedenfalls viel von dem zum Ausdruck, was sie von der Taufe verstehen.

Offenbar verbinden sie damit etwas, das gut tut, das schützt und hilft. Und weil sie gemerkt haben, dass ich meinen neuen Gefährten, den Kuno, gern habe, wünschen sie sich das für ihn. Auch wenn er bloß ein Hund ist. Vielleicht haben die Kinder ganz selbstverständlich daran gedacht, dass ein Pfarrer will, dass sein Hund etwas mit Gott zu tun hat, so wie er selber auch. Und da wird die Taufe bestimmt der richtige Weg sein.  

Ich deute das so, dass die Kinder intuitiv verstanden haben, was es mit der Taufe auf sich hat. Sie ist eine Begegnung mit Gott. Sie schenkt Hoffnung auf  Schutz und zeigt, dass das Leben ein gutes Ziel hat. Sie feiert, dass jedes Geschöpf einmalig ist und eine Persönlichkeit hat.

Ganz schön viel, was da in der Frage der Kinder mitschwingt! Es gefällt mir, dass sich das so auch auf meinen Terrier Kuno anwenden lässt. Er und mit ihm alle anderen Tiere haben in Gottes Plan ihren Platz. Gott hat sie gesegnet, weil er sie liebt. Kinder spüren das wahrscheinlich deutlicher als Erwachsene und suchen eine Bestätigung dafür.

Trotzdem ist das nicht alles, was über die Taufe zu sagen ist. Es gibt etwas, in dem wir Menschen uns von den Tieren unterscheiden, wo ich anders bin als Kuno. Ich kann „Ich“ sagen, weil ich weiß, dass ich existiere. Ich kann über mich hinaus wachsen in meinem Denken und in meiner Phantasie. Überhaupt versuche ich zu verstehen und zu gestalten. Ich bin Teil eines großen Ganzen, und trage Verantwortung für mich und für alles in der Welt, was ich berühre. Zu diesem Teil unserer Menschenexistenz sagt die Bibel: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild. (Gen 1,27). Das bedeutet: Er hat uns so gemacht, dass wir ihm ähnlicher sind als jedes andere Geschöpf. Und auch das feiern wir in der Taufe, dieses Besondere, unsere Eigen-Art.

Kuno, mein Hund, ist also nicht getauft.  Er ist eben kein Mensch. Aber ein prima Freund und Gefährte ist er gleichwohl. Und auch er steht unter Gottes Segen. Das glaube ich ganz fest.              

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