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SWR1 3vor8

Eine Welt, in der Kinder sich nicht fürchten müssen. Jesaja, Prophet aus der Bibel, hat sie sich ausgemalt vor fast 3000 Jahren. Er schreibt: „Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.“ Ich wünsche mir so sehr eine Welt, in der Kinder sich nicht fürchten müssen. Nicht vor Tieren und vor allem nicht vor andern Menschen. Und ich denke dabei an Kindersoldaten, an Kinder, die arbeiten müssen wie Erwachsene, Kinder, die missbraucht und auf andere Weise gequält werden. Und auch an Kinder, denen die Monster via Spielkonsole begegnen.

Immer wieder wird das Tabu gebrochen, sich nicht an Kindern zu vergreifen, an ihrem Körper, ihrer Seele. Kinder brauchen aber den Schutzraum, in dem sie Kinder sein dürfen, spielen, Gemeinschaft erleben, sich entwickeln, und dabei grenzenlos vertrauen. Eine Zeit, in der sie noch geschützt sind vor dem „Ernst des Lebens“.

Schon dem biblischen Propheten Jesaja haben im 8.Jh vor Christus die Kinder am Herzen gelegen. Daß ihnen nichts Böses geschieht, gehörte zu seinen großen Hoffnungen. Und zu meinen gehört es auch.

Aber wie realistisch sind solche Hoffnungen? Wer hofft, setzt ein Ziel in die Welt, und Hoffnung setzt Kräfte frei. Wenn ich hoffe, weiß ich auch, was ich will. Menschen, die zusammen eine Hoffnung haben, können viel bewegen, auch z.B. Lebensbedingungen von Kindern verbessern. Ich kann eine Organisation unterstützen, die Straßenkindern eine Anlaufstelle bietet, und ich kann da, wo ich wohne, deutsch lernen mit Kindern, die von irgendwoher hier gestrandet sind.

Die Bibel spricht immer wieder davon, daß wir Menschen nicht nur auf unsere eigene Kraft angewiesen sind. Jesaja gebraucht hier auch das Bild von einem neuen Trieb, der aus einem Baumstumpf wächst, und auf dem lässt sich Gottes Geist nieder, der Geist der Weisheit, der Stärke und der Erkenntnis. Ein Bild dafür, daß Gott und Menschen zusammenwirken, und daß unerwartet Neues entstehen kann.

Ich wünsche Ihnen, in diesem Advent die kleinen, konkreten Hoffnungen zu spüren und sich von ihnen bewegen zu lassen. Und ich wünsche Ihnen auch etwas Kraft für die großen Hoffnungen, z.B. daß jedes Kind sich entfalten kann, daß Mensch und Tier friedlich leben und daß wir alle mehr von Gott verstehen und auch spüren dürfen.

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