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SWR1 3vor8

 - oder von scheinbar unscheinbaren Sätzen (Jes.2,1-5)

Es sind große, wunderbar kräftige Bilder, die heute in den katholischen Kirchen zu hören sind. Der Prophet Jesaja aus dem Alten Testament der Bibel spricht vom Ende der Tage. In einer Vision sieht einen Berg, den höchsten aller Berge. Auf diesem Berg steht das Haus Gottes und zu ihm ziehen alle Völker der Welt. Denn von dort kommt was die Menschen brauchen: Gerechtigkeit und Frieden. Da zieht es sie hin, die Menschen deren Leben zu viel aus Unrecht, Kampf und Krieg besteht. Und auf diesem Weg zum Berg Gottes schmieden sie Pflüge aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. „Schwerter zu Pflugscharen“, ein fast 3000 Jahre altes Bild, das in unserer Zeit zum geflügelten Wort für Friedensbewegungen geworden ist. Wie so oft bei so schönen starken Bildern liegt das, was davor oder danach gesagt ist, im Schatten. Bei der großen, endzeitlichen Vision des Jesaja ist es die Aufforderung an sein Volk anzufangen, loszugehen: „Kommt“, sagt er, „wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“. Auch ein schönes Bild, ‚im Licht des Herrn‘, gerade jetzt in diesen dunklen Tagen am Ende des Jahres. Ich mag diese kleinen, scheinbar unscheinbaren Sätze im Schatten der übergroßen. Sätze wie diese Einladung des Jesaja: ‚Kommt, auf geht’s, das geht, geht mit. Wir tappen nicht im Dunkeln, wir haben doch eine Peilung, eine Richtung, eine Vision!‘  Auch das ist Advent für mich. Nicht besinnungslos weiterrennen wie oft, zu oft im Jahr. Aber auch nicht stehen bleiben, nicht stecken bleiben im gewohnten Trott oder in dem was ist oder scheinbar immer so sein muss. Das, was ich mir im Innersten wünsche, erhoffe, ersehne: anfangen.  Mit ersten, kleinen Schritten. Mich auf den Weg machen. Ohne Druck. Behutsam. Im Vertrauen darauf, dass es diese Wege gibt, schon seit ewigen Zeiten. Dass sie gangbar sind und heilsam. Hin zu einem unbeschreiblich schönen Ziel. Das ich schon sehe am Ende meines Weges. Und das ich schon spüre beim Gehen…

Einen schönen 1. Advent wünsche ich Ihnen.                                                                      

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