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SWR1 3vor8

Gott scheint manchmal ganz fern. Vor allem, wenn man traurig ist, weil ein lieber Mensch gestorben ist,. Warum hat er nicht geholfen? Warum bin ich nun so allein und trostlos? Mit solchen Gedanken gehen heute, am Totensonntag, viele in den Gottesdienst und auf den Friedhof.
In den evangelischen Gottesdiensten wird heute derer gedacht, die im letzten Jahr verstorben sind. Ihre Namen werden genannt und oft wird ein Licht angezündet für jeden, der uns Lebenden voraus gegangen ist und nun im Licht Gottes auf uns wartet. Manchmal tröstet mich dieser Gedanke ein bisschen.
Gott scheint den Trauernden oft ganz fern. Aber das Bibelwort, über das heute gepredigt wird, das erinnert daran: Gott kommt. Ganz unvermutet oft und unerwartet. Aber er kommt. Und macht lebendig und hell, wo alles bloß noch dunkel scheint.
Gott ist wie ein Hausherr, der auf Reisen geht, hat Jesus gesagt: Aber er kommt wieder. Dann fängt das Leben wieder an. Deshalb hat Jesus geraten: „Bleibt wach, denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt!“
Ich finde es gut, dass davon heute in den Gottesdiensten die Rede sein wird. Ich finde, man braucht diese Erinnerung. Diesen Hoffnungsschimmer, dass es wieder lebendig werden wird um einen herum. Das ist mehr als die Sprüche, mit denen manche einen zu trösten versuchen: „Kopf hoch. Das Leben geht weiter!“.
Es geht nicht darum, dass die Trauernden sich zusammenreißen. Gott kommt, damit sie wieder Zugang finden zur Gemeinschaft der Lebenden. Der reißt ja leicht ab, wenn man ganz vergraben ist in seine Trauer. Dann schläft das Leben irgendwie ein. Die Trauernden sind wie gefangen in einem bösen Traum. Die sehnsüchtige Rückschau hält sie gefangen. Da wäre es gut, wach zu bleiben für
Ich glaube aber, Trauernde können das nicht von sich aus. Man muss ihnen helfen, wach zu bleiben. Wie das gehen kann? Ein alter Herr hat mir erzählt, wie nach dem Tod seiner Frau immer wieder Besuch kam. Nicht mit Aufmunterungen. Auch nicht mit anteilnehmendem Schweigen oder klugen Sprüchen. „Sie sind gekommen“, hat er gesagt, „und haben mir erzählt: Von ihrem Leben. Von dem, was sie beschäftigt. Von dem, was sie freut. Von ihren Kindern. Das hat mich im Leben gehalten. So habe ich gemerkt: Vor meiner Tür ist ja immer noch Leben. Und irgendwann hat es mich gepackt. Da konnte ich wieder rausgehen und mit ihnen wieder am Leben teilnehmen.“
Bleibt wach und rechnet mit Gottes Nähe. Er wird kommen. Ich finde, das ist ein guter Satz für den Totensonntag.

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