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SWR1 3vor8

Schwör! Sagen Kinder manchmal, wenn man ihnen etwas verspricht. „Am Samstag gehen wir in den Zoo!“ „Schwör es!“ sagen sie. Dann sind sie zufrieden, dann ist es richtig fest versprochen und versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.
Erwachsene schwören auch: Bei meiner Mutter, bei Gott, bei allem, was mir heilig ist. Es soll mich eine Strafe treffen, wenn ich meinen Schwur nicht halte. So ernst ist mir das. Das steckt dahinter. Das soll helfen, dass mir der andere wirklich vertraut.
Jesus aber hat vom Schwören gar nichts gehalten. In den evangelischen Gottesdiensten wird heute ein Abschnitt aus seiner Bergpredigt vorgelesen, da hat er gesagt: „Ihr sollt überhaupt nicht schwören… Sagt einfach Ja oder Nein. Jedes weitere Wort kommt vom Bösen“ (Mt 5, 34.37)
Was soll das? Wollte Jesus es womöglich denen leichter machen, die sich nicht festlegen wollen?
Das bestimmt nicht. Aber Ich glaube, Jesus hat gewusst: Ein Schwur macht den Menschen nicht zuverlässiger, der schwört. Es finden sich immer Wege, wie man sich drücken kann, wenn man ein Versprechen nicht halten kann oder nicht halten will.
Vor allem aber: Jesus hat gewusst, dass das Leben nicht stehen bleibt. Das Leben verändert sich. Manches kommt anders. Und auch wenn es mir zunächst ganz ernst war: Auf einmal kann ich nicht mehr halten, was ich versprochen habe. Und dann? Dann hilft es nichts, wenn man mir Strafe androht. Manche versuchen dann, sich irgendwie wortlos zu drücken. Das scheint das Einfachste. Aber es zerstört Vertrauen.
Besser ist: Offen darüber reden, z. B mit Kindern: „An diesem Wochenende geht es wirklich nicht. Ich bin selber ganz traurig. Aber wir suchen gleich einen neuen Termin.“ Dann spüren die anderen: Sie können mir vertrauen – auch wenn das Leben manchmal anders kommt, als ich es gern hätte.
Aber wird nicht auch heute geschworen? Im Parlament zum Beispiel, wenn ein Politiker vereidigt wird? Und sogar bei der Hochzeit in der Kirche? Ich glaube, das ist etwas anderes. Die Politiker sagen, wenn sie das wollen: „So wahr mir Gott helfe“ Sie verlassen sich darauf, dass Gott ihnen beistehen wird, ihre Pflichten zu erfüllen. Und wer kirchlich heiratet, der sagt ganz deutlich: „Ja, ich will… Und Gott helfe mir!“ Aber das ist kein Schwur. Das ist ein Versprechen. Ein „ausführliches“ Ja gewissermaßen. Und eine Bitte. Ich meine es ernst. Ich will tun, was ich kann. Gott möge mir Wege zeigen, zu halten, was ich versprochen habe. Und wenn es mir schwer wird – dann wird er mir helfen, den richtigen Weg zu finden. Das verspricht Gott.

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