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SWR1 3vor8

Der Glaube kann Berge versetzen. Davon sind viele überzeugt. Jedenfalls der Glaube an sich selbst. Wer sich etwas zutraut, der wird sich leichter durchsetzen als einer, der sich von vornherein wenig zutraut. Im Sport höre ich das immer wieder: „Er hat immer an sich geglaubt - das war der Grundstein für seinen Erfolg".
Aber genau das macht auch vielen Angst. Sie fragen sich: Wird mein Glaube, wird mein Selbstbewusstsein im entscheidenden Moment ausreichen? Wird mir das richtige einfallen? Kann ich in schwierigen Zeiten dann wirklich durchhalten?
So ähnliche Ängste haben auch die Jünger Jesu gehabt, glaube ich. Die haben Jesus nämlich gebeten: „Stärke uns den Glauben!" Anscheinend haben sie sich selbst und ihrem Glauben nicht genug zugetraut für die Aufgaben, die sie vor sich gesehen haben. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten davon die Rede sein.
Jesus hatte da aber gar keine Befürchtungen. „Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn -Senfkörner sind ziemlich klein- dann könnt ihr Bäume ausreißen" (Lk 17, 5+6) sagt er seinen ängstlichen Jüngern. Jesus redet allerdings nicht vom Glauben an sich selber. Jesus redet vom Glauben an Gott. Oder besser: Vom Vertrauen auf Gott. Dass Gott mich nicht allein lässt. Gerade dann nicht, wenn es darauf ankommt - darauf soll ich mich verlassen.
Nicht auf meine eigene Kraft und nicht auf meinen eigenen Mut. Da kann man nie ganz sicher sein. Da wird man immer wieder Angst haben, ob die reichen. Aber Gott - Gott kann helfen. Kann mir den Rücken stärken. Kann mir helfen durchzuhalten und nicht umzuknicken. Dietrich Bonhoeffer hat das mal so gesagt: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selber, sondern allein auf ihn verlassen."
Mit diesem Gottvertrauen kann man sich auf Situationen einlassen, die Angst machen, denen man sich nicht gewachsen fühlt. Mit diesem Gottvertrauen kann man erste Schritte machen.
Und meine Erfahrung ist: es geht!
Ich hatte solche Angst, die trauernde Freundin anzurufen. Und dann hatten wir einen so schönen Nachmittag zusammen. Ich konnte mich lange nicht überwinden, den Kollegen anzusprechen, mit dem ich einen Konflikt hatte. Und dann hatte der schon darauf gewartet, dass wir aus dem Streit herauskommen.
Auf einmal bin ich über den Berg. Nicht, weil mein Glaube ihn versetzt hätte. Ich bin auch zu schwach, um Bäume auszureißen. Aber Gott hat geholfen. Ich finde: Sich darauf zu verlassen, macht Mut.

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