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SWR1 3vor8

- aus: Jesus Sirach 3
22. Sonntag im Jahreskreis (C) 

„Meine Demut ist mein größter Stolz" - dieser knitze schwäbische Spruch entlarvt scheinheiliges Verhalten. Dabei sollen gerade bei Gott die Demütigen hoch im Kurs stehen. So lese ich im Weisheitsbuch Jesus Sirach im Alten Testament und so ist es heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. 

Na klar, da muss Gott wieder mal herhalten, um Duckmäusertum und Unterwürfigkeit zu rechtfertigen. Das alte Spiel - Macht auszuüben. Gehorsam einzufordern, Menschen klein zu halten. So steht Demut schon immer für schwach und feige sein. Doch damit möchte ich mich nicht abfinden. 

Das lateinische Wort für Demut heißt „humilitas" - und das kommt von Humus, Erde, Boden. Demut ist danach der Mut, die eigene „Erdhaftigkeit" anzunehmen. Ich habe den Mut, dazu Ja zu sagen: Ich bin bedürftig und verletzlich, ich bin endlich und sterblich. Das scheint selbstverständlich zu sein, ist es aber nicht. Alltägliches Beispiel: Um nicht zugeben zu müssen, dass ich älter und hinfälliger werde, gehöre ich zu den „Senioren", zu den „Jung Gebliebenen", „bin so alt, wie ich mich fühle" - und wie die Sprüche alle heißen.
In dem lateinischen Wort „humilitas" steckt auch das Wort Humor und damit Leichtigkeit und Gelassenheit. Wenn ich meine Erdhaftigkeit und Begrenztheit annehmen kann, vielleicht sogar lieben kann - dann kann ich mich hoffentlich auch zurücknehmen, mich bescheiden. Dann kann ich möglicherweise über mich selbst lachen und innerlich frei werden - und bereit, andere zum Leben zu ermutigen. 

Demut ist das glatte Gegenteil von Kleinmut und von Hochmut. So widersprüchlich die beiden auch sind, sie haben eine menschliche Schwäche gemeinsam: In beiden Haltungen beschäftige ich mich vor allem mit mir selbst - kleinmütig katzbuckelig oder hochmütig wichtigtuerisch. 

Demut hingegen spricht für innere Weite und Freiheit. Demut erfordert Mut. Und den traut Gott mir wohl zu, wenn bei ihm gerade die Demütigen hoch im Kurs stehen sollen.

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