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SWR1 3vor8

Guten Morgen, ich bin Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann aus Ettlingen.
„Da weiß die Linke wieder mal nicht, was die Rechte tut." Sie kennen diese Redensart? Jesus hat sie erfunden. Er hat sie allerdings positiv gemeint, wir gebrauchen sie ja meistens negativ. Kritisieren, wenn mal wieder die Kommunikation nicht geklappt hat: Auf einer Baustelle werden Fenster gebraucht, aber der Einkauf bestellt Türen. Oder in der Familie: Einer verlässt sich auf den anderen beim Einkauf und am Ende hat man jede Menge Grillfleisch, aber Getränke: Fehlanzeige. ‚Da weiß die Linke nicht, was die Rechte tut.' Man hätte miteinander reden sollen.
Aber wie gesagt: Jesus meint die Redensart positiv. In bestimmten Situationen muss es genau so sein und nicht anders. Und zwar in uns.
In der Bergpredigt hat er diese Redensart geprägt. Heute wird es in den evangelischen Gottesdiensten zitiert. Wenn du einem armen Menschen etwas gibst, heißt es da, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut.
Warum das? Wenn ich das richtig verstehe, geht es darum:
Jesus will nicht, dass man eben noch einem Menschen hilft, mit der rechten Hand. Und schon im nächsten Augenblick zeigt meine Linke stolz auf mich. So etwa: ‚Habt Ihr auch alle mitgekriegt, was ich für ein guter Mensch bin.'
Wenn man einem anderen hilft, sich um einen anderen kümmert, dann soll man wirklich den anderen im Blick haben, und nicht sich selbst. Dem anderen soll meine Aufmerksamkeit gut tun, nicht mir selbst, weil ich gut da stehen will vor anderen.
Noch einmal mit den Worten Jesu:
Wenn du also einem armen Menschen etwas gibst, häng es nicht an die große Glocke! So verhalten sich die Scheinheiligen, damit die Leute sie bewundern.
Nicht sich selbst und die eigene Hilfsbereitschaft inszenieren. Das findet Jesus scheinheilig.
Aber ist das nicht übertrieben?
Soll es falsch sein, wenn man Gutes tut und darüber redet? Oder:
Was soll verkehrt sein, wenn es mir gut tut, dass ich jemandem helfen konnte?
Ich glaube, beides ist oK. Aber das meint Jesus auch nicht. Drüber reden, wie man Armen gut hilft, ist nötig. Und es darf mich auch glücklich machen, wenn ich helfen konnte.
Was anderes ist entscheidend. Wen sieht man am Ende? Wer wird ins Licht gerückt? Auf wen zeigt quasi die „linke" Hand? Wenn das Reden über das Gute den ins Licht stellt, der hilft, dann geraten die aus dem Blick, die eigentlich Hilfe brauchen. Aber wenn es den zeigt, der Hilfe braucht, damit sich auch andere engagieren: Das ist gut. Und notwendig.

Bibel: (Matthäus 6, 1-4)
6 "Hütet euch:
Stellt nicht vor den Menschen zur Schau, was für ein frommes Leben ihr führt.
Sonst habt ihr keinen Lohn mehr zu erwarten von eurem Vater im Himmel."
2 "Wenn du also einem armen Menschen etwas gibst, häng es nicht an die große Glocke! So verhalten sich die Scheinheiligen in den Synagogen und
auf den Straßen, damit die Leute sie bewundern.
Amen, das sage ich euch: Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen.
3 Wenn du einem armen Menschen etwas gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut. 4 So bleibt deine Gabe im Verborgenen.
Aber dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen."

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