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SWR1 3vor8

‚Warum habe ich bloß den Hintern nicht hoch gekriegt. Und diese Sache
aufgehalten. Ich habe doch gewusst, dass es richtig übel ist.'

Es tut weh, wenn man ein Unrecht gewähren lässt, bis man schließlich vor seinen Folgen steht. Dann gehen einem die Augen auf: ‚Das hätte nicht sein müssen. Die Chance zum Guten war da. Aber ich habe mich nicht bewegt.'
Dann steht man da. Beschämt, traurig, verzweifelt.

Wie der reiche Mann in dieser Geschichte, die Jesus erzählt hat:
Dem Reichen ist es im Leben richtig gut gegangen. Aber was um ihn herum vorgegangen ist, dafür hat er irgendwann keine Antennen mehr gehabt.
Den armen Lazarus, der jeden Tag vor seiner Einfahrt gebettelt hat, den hat er irgendwann nicht mehr gesehen. Vielleicht, weil er mit seinem guten Leben so zufrieden war, dass er selbstzufrieden geworden ist.

Aber - so erzählt Jesus - so geht es nicht weiter, jedenfalls nicht ewig:
Beide sterben. Der arme Lazarus kommt in den Himmel und der Reiche ganz und gar nicht. Da dämmert es ihm: ‚Warum habe den Armen übersehen. Wie konnte ich meine Chance zum Guten nur verpassen?'

Dabei ist diese Wende eigentlich gar nicht so schwer, so verstehe ich jedenfalls Jesus. Wenn ich meine moralischen Antennen auf Empfang stelle und wenn ich die Phantasie behalte, dass es auch anders und besser gehen könnte. Dann könnte die Geschichte gut ausgehen, für beide.

Auch heute. Vielleicht so? Ein junges Paar, frisch verliebt, geht shoppen, sagen wir in Freiburg, es kann auch Mainz sein. Sie findet ein total süßes Sommerkleidchen für 12,95 Euro, er einen Dreierpack T-Shirts für 15.

Grade wollen sie bezahlen, da lesen sie auf den Labels: „Made in Bangladesch". Und sie sehen die Bilder wieder vor sich: Von diesem eingestürzten Hochhaus in Bangladesch. Den über 1200 Toten. Vor allem sehen sie dieses Paar vor sich, das man eng umschlungen, tot aus den Trümmern gezogen hat. Da gehen ihre Antennen endgültig auf Alarm. Das kann es nicht sein, dass sie hier selbstzufrieden billig einkaufen. Und ihre Augen und Herzen zumachen für andere, die für einen Hungerlohn ihre Gesundheit riskieren oder noch mehr.

So billig wollen sie es sich nicht mehr machen."
Ich weiß, es gibt keine Garantie, dass die Geschichte für Arme und Reiche gut ausgeht. Aber es könnte doch sein, wenn wir den Hintern hochkriegen, hinschauen über unseren Tellerrand und die Chance für das Gute nutzen.
Dass es gerechter wird, mit Gottes Hilfe und Phantasie für das Gute.

Hier ist die ganze Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus
aus der Bibel: (Lukas 16, 19-31)

Einst lebte ein reicher Mann.
Er trug einen Purpurmantel und Kleider aus feinstem Leinen.
Tag für Tag genoss er das Leben in vollen Zügen.
Aber vor dem Tor seines Hauses lag ein armer Mann, der Lazarus hieß.
Sein Körper war voller Geschwüre. Er wollte seinen Hunger mit den Resten vom Tisch des Reichen stillen.
Aber es kamen nur die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.

Dann starb der arme Mann.Die Engel brachten ihn zu Abraham und setzten ihn an dessen Seite. Auch der Reiche starb und wurde begraben. Im Totenreich litt er große Qualen.
Einmal blickte er auf und sah in weiter Ferne Abraham und
Lazarus an seiner Seite.

Da schrie er:'Vater Abraham hab Erbarmen mit mir! Bitte schick Lazarus,damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht und meine Zunge kühlt.Ich leide schrecklich in diesem Feuer!'Doch Abraham antwortete:'Kind, erinnere dich: Du hast deinen Anteil an Gutem schon im Leben bekommen - genauso wie Lazarus seinen Anteil an Schlimmem. Dafür findet er jetzt hier Trost, du aber leidest. Außerdem liegt zwischen uns und euch ein tiefer Graben.Selbst wenn jemand wollte, könnte er von hier nicht zu euch hinübergehen,
genauso wie keiner von dort zu uns herüberkommen kann.'

Da sagte der Reiche:'So bitte ich dich, Vater: Schick Lazarus doch wenigstens zu meiner Familie. Ich habe fünf Brüder. Lazarus soll sie warnen, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qualen kommen!'
Aber Abraham antwortete:
'Sie haben doch Mose und die Propheten: Auf die sollen sie hören!'

Der Reiche erwiderte:
'Nein, Vater Abraham! Nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt,
werden sie ihr Leben ändern.
Doch Abraham antwortete ihm:
Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, dann wird es sie auch nicht überzeugen, wenn jemand vom Tod aufersteht."

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