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SWR1 3vor8

 - Texte aus Jesaja, Hosea, Psalmen
7. Sonntag der Osterzeit (C)

Dass sich Gott dem Menschen zuwendet, dafür steht das Wort „Barmherzigkeit". Das alttestamentlich-hebräische Wort für „Barmherzigkeit" heißt ursprünglich: „Mutterschoß", aus mütterlicher Liebe kommende Sorge und Güte. (Deuteronomium 32,18; Numeri 11,11-13) 

In diesem ursprünglichen Sinn verkündet und lebt Jesus seine Botschaft von Gott. Wenn er davon spricht, grenzenlos gütig zu sein, den Nächsten voraussetzungslos zu akzeptieren, ihm bedingungslos zu vergeben - dann verkündet Jesus einen Gott mit mütterlichen Zügen. Und das gegen eine alles beherrschende Männerwelt, in die hinein eher das Gottesbild von einem allmächtigen Herrscher und strengen Richter passt. 

Die mütterlichen Elemente in Jesu Gottesbild sind lange vergessen worden. Seine Freude an Gott, sein vertrauensvoll-kindlicher Umgang mit seinem „Abba", seinem „Papa" sind in den Hintergrund getreten. In der Marienfrömmigkeit hingegen bleibt die Sehnsucht angesprochen, Gott müsse mütterliche Züge haben. Der vor 35 Jahren so rasch verstorbene Johannes Paul I., der „lächelnde Papst", hat das so gesagt: „Gott ist auch Mutter, zumindest so sehr, wie er Vater ist." 

Warum ist die Bibel so zurückhaltend und spricht nur an einigen Stellen von den mütterlichen Zügen Gottes? - Mit seinem Glauben an den einen und einzigen Gott setzte sich Israel ab von den vielen Gottheiten und zahlreichen Göttinnen, die dort verehrt wurden. Für den biblischen Glauben jedoch ist der eine und einzige Gott weder männlich noch weiblich. Wohl aber zeigt er sich in seinen väterlichen und gleichermaßen auch in seinen mütterlichen Zügen. 

Für mich gibt Jesaja wie kein anderer Prophet Zeugnis von dieser Mütterlichkeit. Gott ist für ihn treu wie eine Mutter: 

„Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen,
eine Mutter ihren leiblichen Sohn?
Und selbst wenn sie ihn vergessen würde:
Ich vergesse dich nicht." (49,15) 

Heißt es da und weiter:
„Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen
und auf den Knien schaukeln.
Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet,
so tröste ich euch." (66,12c.13a) 

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag
und wenn Sie wollen, einen schönen Muttertag.

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