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SWR1 3vor8

(Apg. 13,14.43b-52)
Da wurde er mal wieder rausgeworfen, vertrieben aus einer Stadt -  Paulus auf seiner ersten Missionsreise. Aus Antiochia, heute Zentralanatolien in der Türkei. Davon ist heute Morgen in den katholischen Kirchen zu hören.
Drei Missionsreisen hat Paulus gemacht. Rund 10.000 Kilometer war er dabei zu Fuß unterwegs. Kreuz und quer durch' s Mittelmeer ist er gereist, hat Schiffbruch erlitten, wurde mit Steinen beworfen und ins Gefängnis gesteckt. Paulus muss von einer unbändigen Energie getrieben gewesen sein. Nichts und niemand konnte ihn aufhalten. Gelegen oder ungelegen, ob Juden oder Heiden - allen hat er von seinem neuen Glauben erzählt. Und dabei schwer polarisiert. Die einen wurden angesteckt von seinem Glauben an Christus. Bei anderen hat er angeeckt. Vor allem bei vielen Menschen seiner Herkunftsreligion, dem Judentum. Sie fühlten sich provoziert, ja angegriffen in ihren Überzeugungen und Traditionen. Paulus war sicherlich kein einfacher Charakter, radikal gegenüber sich selbst und den anderen, kompromisslos und ruhelos. Aber so und wohl nur so konnte er den Grundstein dazu legen, dass dieser neue Glaube zur Weltreligion wurde. Ohne Paulus hätte sich das Christentum höchstwahrscheinlich nicht so ausgebreitet. Der Preis dafür war die Trennung vom Judentum. Eine Trennung, deren Schmerzen noch bis heute spürbar sind.
Die aber gemildert werden, wenn sich Christen und Juden als Glaubensgeschwister verstehen können. Mit den Juden als den älteren Brüdern und Schwestern im Glauben an den einen Gott. Wenn das die Menschen in der Region, von der Paulus vor rund 2000 Jahren aufgebrochen ist, doch auch könnten!
Christen, Juden und Muslime im Nahen Osten. Ist es nicht ein Drama, dass die Region, in der es eine so hohe Konzentration an Religion gibt, so furchtbar friedlos ist? Müssten Israel, Palästina, der ganze Nahe Osten nicht Stätten des Friedens sein? Ein Friedenszentrum der Welt, das zeigt wie Religion die Menschen verbinden kann statt sie zu trennen oder sich gar zu bekämpfen. 
Und Paulus? Was könnte er mir dazu heute sagen? Sicher nicht, den Keil der Trennung tiefer zu treiben. Sondern nicht nachzulassen in der Suche nach dem Religionsfrieden. Und offen zu bleiben für Überraschungen.  Für Überraschungen, die aus Feinden Freunde machen...

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