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SWR1 3vor8

Manches braucht ein bisschen länger, bis man begreift. Ein Mensch tut, was er kann, damit es mir gut geht. Bemüht sich, mir eine Freude zu machen, immer wieder. Und ich begreife einfach nicht, oder will es nicht glauben: Er tut das für mich. Er liebt mich. Er muss es mir erst sagen, was das bedeutet - dann kann ich es verstehen und glauben. Vielleicht kennen Sie solche Situationen. Manchmal dauert es ein bisschen länger, bis man begreift.
Den Jüngern von Jesus ging das wahrscheinlich auch so, in einer ganz anderen Situation. Jesus war tot.  Hingerichtet am Kreuz. Und nun kamen ein paar Frauen und behaupteten: Wir haben ihn gesehen. Mit ihm gesprochen. Er lebt. Er ist auferstanden. Wie sollen sie das verstehen? Was soll das bedeuten? Können sie jetzt weitermachen wie vorher, als er noch am Leben war? Manche Erfahrungen sind so neu, dass man sie zunächst nicht begreifen kann.
Ich nehme an, die Jünger haben damals getan, was ich heute auch tun würde. Sie haben Erklärungen gesucht. Das einzige Nachschlagewerk, das sie damals hatten, war die Bibel.  Die hatten sie im Kopf. Da sind sie vielleicht auf einen Satz gestoßen beim Propheten Jesaja: „Gott beseitigt den Tod für immer. Er wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf ihn setzen wir unsere Hoffnung." (Jes 25, 8-9)
Das kannten die Jünger damals oder jedenfalls ähnliche Worte aus ihren Heiligen Schriften. Ich stelle mir vor, wie sie langsam geahnt haben: Das könnte jetzt passiert sein. Jedenfalls hat es angefangen. Einer ist vom Tod auferstanden. Bei Gott ist er lebendig. Gott kann lebendig machen: Die Toten in seiner neuen Welt. Und auch was schon tot schien hier in unserem Leben: die enttäuschten Hoffnungen, den verlorenen Lebensmut. Gott kann lebendig machen. Den Jüngern damals hat das neue Hoffnung gemacht.
Und was bedeutet das nun für mich? Tröstet es mich, wenn ein Mensch gestorben ist, den ich lieb hatte? Ich gebe zu: Es tröstet nicht gleich. Es tut weh, wenn ein Mensch stirbt oder eine Liebe.
Ich hab das schon erlebt. Und erfahren: Dann tut es gut, wenn einer bei mir bleibt. Mein Weinen aushält. Für mich glaubt und hofft und mich erinnert: Unser Gott ist einer, der lebendig macht, was tot ist. Mich hat das ruhiger gemacht. Der, den ich lieb gehabt habe, ist lebendig bei Gott. Und eines Tages werden wir uns wiedersehen. Bei Gott. Denn Gott macht die Toten lebendig.
Ich habe gemerkt: Das kann einen wirklich trösten. Aber das dauert. Und man muss erinnert werden. Immer wieder einmal, von Worten wie diesem aus dem aus der Bibel. Oder von Menschen, die das glauben können, wenn ich es nicht kann. Denn es braucht eine Weile, bis man es glauben kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15024

Lukas 24,1-12  Ostersonntag (C)

Das scheint reine Männersache gewesen zu sein. Da ist in den Evangelien davon die Rede, dass Jesus nach seiner Kreuzigung auferstanden ist, dass er lebt. Und es ist meist von Männern die Rede, die ihn nach der Auferstehung erkannt haben. Diese Männer-Sicht hat sich auch in der Tradition der Kirchen hartnäckig gehalten. 

Schaut man aber genauer in die Evangelien, dann verhält sich das ganz anders. Als sie von der Kreuzigung gehört hatten, waren die Männer vor lauter Angst in alle Richtungen geflohen.

Anders die Frauen. Sie hatten die Kraft und den Mut zu bleiben. Maria, die Mutter Jesu, Maria aus Magdala und andere Frauen sind bei ihm gewesen, als er öffentlich aufgetreten ist. Drei von ihnen sind auch in den schwersten Stunden bei Jesus geblieben. Sie sind unter dem Kreuz gestanden und haben beobachtet, wohin man seinen Leichnam gebracht hatte. Und sie haben wohlriechende Öle gekauft, um den toten Jesus zu salben. So etwas tut man nur aus einer großen Liebe heraus. 

Von dem französischen Schriftsteller Francois Mauriac (1885-1970) stammt ein Wort, das auf diese Frauen zutrifft: „Ich glaube an den, den ich liebe." Und sie haben eine Erfahrung gemacht, die ihnen zur Gewissheit geworden ist: „Jesus, unser Meister lebt!" Frauen sind demnach die ersten Botinnen der Auferstehung Jesu gewesen. Davon ist heute - am Ostersonntag - in den katholischen Gottesdiensten zu hören. (Matthäus 28,8; Lukas 24,22; Johannes 20,17) Die Frauen sind sich ihrer Sache so sicher gewesen, sie sind so erfüllt davon gewesen, dass sie zu den Jüngern gegangen sind, um ihnen das mitzuteilen.

Dank der Botschaft der Frauen haben auch die Männer neue Erfahrungen gemacht, nachdem sie ihre anfängliche Skepsis und ihr Misstrauen abgelegt hatten. Und diejenigen, die Jesus einst verleugnet und verlassen hatten, die haben sich wieder in Liebe ihrem auferstandenen Herrn zugewandt. 

Den Frauen sei Dank für ihre Botschaft an die Männer. Eine Botschaft, deren Strahlkraft ungebrochen anhält. Das Geheimnis von Ostern ist die Liebe, die aufrichtet und etwas sehen lässt, was unbegreiflich ist. Die Botschaft von Ostern möchte den Menschen die Augen öffnen. Dafür, dass am Ende nicht der Tod und das Nichts das letzte Wort haben, sondern die Liebe und das Leben. 

Ich wünsche Ihnen gesegnete frohe Ostern!

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