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SWR1 3vor8

Fast jeder von uns hat Macht über andere. Als Vater oder Mutter, in der Arbeit, in einem Amt. Macht kann Gutes wirken. Und man kann sie missbrauchen. Andere zum Opfer machen und sich selbst schuldig.
Schon Kinder können das Spiel. „Macht macht Opfer":
Sie steigen zu dritt in die S-Bahn. 11 oder 12 Jahre alt. Haben Spaß miteinander. Auf einmal kommt Aggression ins Spiel. Zwei verbünden sich gegen den Dritten. Der Ton wird rau. Er wird beschimpft, geschubst. Für ihn ist es schon lang kein Spaß mehr. „Hört auf, bitte." Erst ein Erwachsener kann das Spiel unterbrechen.
„Macht macht Opfer." Was bei den drei Kids hoffentlich nicht zu tiefe Spuren hinterlässt, bei Erwachsenen kann es böse enden. In den evangelischen Gottesdiensten wird heute erzählt, wie Jesus in so ein Machtspiel gerät. Für ihn unterbricht es niemand. Ihn kostet es das Leben.
Im Johannesevangelium wird erzählt:
Die Mächtigen am Tempel sind auf Jesus aufmerksam geworden. Man befürchtet, dass er die einfachen Leute auf seine Seite bringt. Dass am Ende niemand mehr ihren Anweisungen folgen will. Und er ihre Macht untergräbt. Und sie tun, was die, die Macht haben, oft tun. Sie nutzen ihre Macht. Aber sie nutzen sie nicht nur, sie überziehen. Sie missbrauchen sie.
Kajaphas, der Vorsitzende der Religionsbehörde, gibt die Richtung vor: „Es ist besser, dass einer stirbt, als dass das ganze Volk vernichtet wird". Jesus muss weg. Der Mächtige ist bereit, das Spiel zu spielen: Einen anderen zum Opfer zu machen.
Und noch etwas sieht man bei den Mächtigen am Tempel.
Der die Macht hat, behauptet gern, er könne nicht anders. Es sei vernünftig. Zum Besten. Nicht seine Macht macht das Opfer, es sind Zwänge. Das Opfer ist selbst schuld. So spricht man sich selbst frei vom Machtmissbrauch.
Wie oft werden solche Machtspiele gespielt? Auch in privaten Beziehungen: Eigentlich hat man nur ein gemeinsames Problem zu lösen. Aber auf einmal geht es zwischen den Partnern nicht mehr um das Problem. Es geht um die Macht. Wer setzt sich durch? Und wie rasch greift man dabei zu Mitteln, die den anderen verletzen, verletzen sollen.
Was soll mir das jetzt sagen, fragen Sie vielleicht. Wenn ich weiß, dass Menschen Macht haben. Sogar ich. Macht gehört doch zum Leben? Stimmt.
Aber da ist immer die Frage: Wie setze ich meine Macht ein? Für meinen Machterhalt? Oder nütze ich damit anderen? Missbrauche ich sie? Mache ich mich schuldig, indem ich andere zum Opfer mache?

Der vollständige Predigttext steht in Johannes 11,47-53
Da beriefen die führenden Priester und die Pharisäer den jüdischen Rat ein.
Sie sagten:"Was sollen wir tun? Dieser Mensch vollbringt viele Zeichen! Wenn wir ihn so weitermachen lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen, unseren Tempel zerstören und unser ganzes Volk vernichten."Zum jüdischen Rat gehörte auch Kajaphas, der in dem Jahr der Oberste Priester war.
Er sagte:"Ihr versteht gar nichts! Bedenkt doch:
Es ist besser für euch, dass ein Mann für das Volk stirbt -besser, als dass das ganze Volk vernichtet wird."
Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Oberster Priester war.
Dadurch konnte er wie ein Prophet voraussagen, dass Jesus für das Volk sterben wird. Und nicht nur für das Volk, sondern auch, um die Kinder Gottes in der ganzen Welt zusammenzuführen.
Von dem Tag an war der jüdische Rat fest entschlossen, Jesus umzubringen.

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