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SWR1 3vor8

2 Korinther 5,17-21, 4. Fastensonntag (C) 

„Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung." - Wer behauptet so etwas? Der Apostel Paulus in einem Brief, aus dem heute - am 4. Fastensonntag - in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird. 

Mir stellen sich zwei Fragen: Was bedeutet hier „neue Schöpfung"? Und was heißt: „in Christus sein"?  

Das kleine Wörtchen „neu" scheint bei den ersten Christen, bei der jungen Kirche von Bedeutung gewesen zu sein. Aber was war das „Neue" an dieser Schöpfung?  

Jesus hat eine andere Beziehung zu Gott gelehrt und gelebt. Anders, als das, was die Menschen schon immer von Gott erwartet oder befürchtet haben. Sie sollten ihm nicht ängstlich und unterwürfig begegnen, sondern ihm vertrauen, ihn lieben. Die menschliche Würde, seine Freiheit, Frau und Mann sind gleichwertig, sich um Arme und Kranke kümmern - das waren Stichworte, die die ersten Christen, die junge Kirche gekennzeichnet haben. Für die Antike war das unerhört und revolutionär.  

„In Christus sein" - darunter verstehe ich: Jemand entdeckt für sich, in seinem Innern, in seinem Glauben eine tiefe Verbundenheit mit Jesus Christus. Er will das, was Jesus an Neuem gebracht hat, sich zu eigen, zum eigenen Lebensinhalt machen. Und gewiss gibt es zu allen Zeiten Christen, die sich glaubwürdig und authentisch darum bemühen.  

Doch wenn ich mir das derzeitige Erscheinungsbild meiner Kirche anschaue, dann ist aus dem Elan der ersten Christen eine mitunter schwerfällige Bewegung geworden. Eher misstrauisch gegenüber dem Neuen. Bedacht auf das, was sich bewährt hat. Meine Kirche tut sich oft schwer, ihre Botschaft neu zu sagen und entsprechende Formen von Glauben und Leben mit den Menschen heute zu entwickeln.  

Allerdings hat das Neue im Sinne Jesu nichts zu tun mit Vorstellungen, wie wir das heute oft sehen: heute „in" und morgen „out". Für Jesus gibt es ein Ziel - Gott selbst! Für ihn sind die Menschheit, die Geschichte, die Schöpfung mit einbezogen, wenn Gott verspricht: „Seht, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5) Und dieses „neu" verstehe ich so: 
Unbekannt - also nicht, was wir ohnehin schon lange kennen.
Unerhört - also nicht, was wir schon lange haben läuten hören.
Ungewöhnlich - was eben nicht unseren Gewohnheiten entspricht
Außerordentlich - was nicht aus unseren Ordnungen entsteht,
unsere Ordnungen aber gehörig durcheinander bringen kann. 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14797