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SWR1 3vor8

Kann es sein? Dass man scheitern muss, damit man voran kommt als Mensch.

Petrus - von dem heute in den evangelischen Kirchen erzählt wird - legt das nahe. Und seine Geschichte legt mir auch nahe, eine Niederlage kann zum Gewinn werden.

Petrus -erzählt die Bibel- ist voller Selbstvertrauen, überzeugt von sich. Als Jesus davon redet, dass es in Jerusalem gefährlich werden könnte, lebensgefährlich sogar, da ist Petrus sich ganz sicher: „Ich habe keine Angst um mich, auch nicht um mein Leben, ich geh mit Dir ins Gefängnis, ich bin sogar bereit, mit Dir zu sterben."

Es wird anders kommen. Als Jesus verhaftet wird, bricht Petrus ein, verrät ihre Freundschaft, die so unerschütterlich schien. Dreimal. Petrus versagt.

Muss erkennen: Es gibt Situationen, da sind mein Selbstvertrauen und meine Kräfte nicht genug.

Scheitern aus Angst ist menschlich und männlich. Ich kenne das bei mir und anderen. Eben noch überzeugt, ich will und kann mich auf mich verlassen. Dabei ist klar: Meine Kraft hat Grenzen. Auch wenn vorher das Selbstvertrauen groß war wie bei Petrus.

Wenn man das erlebt, das tut weh. Aber wenn man es durchlebt wie Petrus, dann kann man Gutes darin entdecken. Hinter dem Scheitern spürt er -und das finde ich wegweisend für mich- dass darin ein Angebot Gottes liegt: ‚Du musst nicht allein stark sein. Und auch nicht allein aus Dir heraus.'

Jesus steht zu ihm, als er scheitert und sagt: ‚Wenn das Selbstvertrauen dich verlässt, dann suche das Vertrauen zu Gott.'

An Petrus sehe ich, scheitern hat ihn stärker gemacht hat, als er nicht mehr allein kämpfen und gewinnen will, sondern sich verbündet. Er erlebt, dass andere ihn mittragen. Spürt Gottes Kraft. Die da ist, auch wenn ich verliere. Vertrauen ist eine tiefere Quelle, aus der man schöpfen kann, wenn Selbstvertrauen fehlt.

Und noch etwas kann man vielleicht erfahren, wenn man eine Niederlage durchlebt wie Petrus. Wenn man sich ihrer nicht schämt, kann sie einen menschlicher machen für andere. Wenn ich meine eigene Angst und Schwäche akzeptiere, kann ich dann nicht auch verständnisvoller sein mit anderen? Und damit wirklich Verantwortung übernehmen und ihnen gut tun. Man weiß dann auch besser, wie man richtig ermutigt. Nicht „Stell Dich nicht so an" sondern „ja, ich verstehe, ich steh zu Dir und trau Dir was zu." Wo wir so scheitern und wo so etwas gelingt, da ist Gott.

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