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SWR1 3vor8

Was ist der Sinn Ihres Lebens? Wozu sind Sie da? Du meine Güte! Welch' eine Frage am frühen Sonntagmorgen und auch noch am Faschingssonntag! Aber Vielleicht doch nicht ganz so daneben, weil in diesen Tagen viele Masken aufziehen, sich in andere Rollen begeben, ein anderes Leben ausprobieren. Also: Wozu bin ich da?

 In allen drei Texten, die heute in den Katholischen Kirchen gelesen werden geht es um diese Frage. Natürlich wird sie religiös beantwortet. Mit einer besonderen Aufgabe, mit einer Berufung durch Gott oder durch Jesus.   Bei Paulus durch sein legendäres Damaskus-Erlebnis - als er wie vom Blitz getroffen vom Pferd fällt und erkennt, dass er die Christen nicht mehr verfolgen soll, sondern Christus verkündigen soll. Bei Petrus wie ihm von Jesus durch einen überreichen Fischfang sehr plastisch klar gemacht wird, dass die Fülle seines Lebens in Jesus und den Menschen liegt. Und der Prophet Jesaja sieht Gott in einem Traum oder in einer Vision. Er sieht ihn als König auf einem Thron sitzend von Engeln umgeben. Er bekommt Angst, weil er spürt, nicht das Richtige oder nicht genug von Gott gesprochen zu haben. Da fliegt ein Engel zu ihm. In der Hand hat er eine Zange mit einer glühenden Kohle. Die hält er Jesaja an die Lippen und sagt, seine Schuld sei nun getilgt. Und da hört Jesaja die Stimme Gottes und ist bereit, Prophet zu sein. Grandiose, traumhafte Bilder. Was wie ein Folterwerkzeug aussieht wird zum Bild der Läuterung und einen Glauben, der brennt. Einen Glauben, bei dem sich der Prophet nicht scheuen wird, sich den Mund zu verbrennen und zu sagen, was zu sagen ist.

Was ist der Sinn des Lebens? Wozu bin ich da auf dieser Welt? Ich bin weder Prophet noch Menschenfischer. Was ich aber aus diesen drei Berufungsgeschichten lerne ist, Berufungen sind so verschieden wie die Menschen sind. Sie können in Träumen geschehen, in scheinbar banalen Alltagserfahrungen oder in blitzartigen Erkenntnissen. Aber immer geht es ums Ganze, um das, was mich in meinem Innersten ausmacht. Und immer geht es darum sich zu öffnen, zu hören, zu sehen und dann zu tun, was zu tun ist.

 

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