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SWR1 3vor8

Wo Licht ist, kann man leben. Am Licht kann man sich orientieren, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht. Wo es dunkel ist, da verkümmert das Leben. Da fühlt man sich allein und bedroht. Da hält man sich nicht gern auf. Wie gut wäre es, wenn man dann Licht machen könnte. Nicht bloß mit Streichholz oder Schalter - sondern vielleicht auch mit den richtigen Ideen und guten Worten. Damit es ein bisschen heller wird und man einen Weg sieht.
So, wie die Weisen aus dem Morgenland. Heute ist ihr Gedenktag. Die Bibel erzählt, dass sie einem Stern gefolgt sind. Wahrscheinlich kennen Sie die Geschichte: Drei Astrologen aus dem Orient orientieren sich an einer besonderen Sternenkonstellation und finden Gott. Im Stall in Bethlehem.
Wahrscheinlich hat man deshalb für die Gottesdienste heute einen Bibelabschnitt herausgesucht, in dem auch vom Licht die Rede ist. Worte eines Gottesmannes, eines Propheten. „Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit Gottes geht auf über dir." (Jes 60,1)
„Steh auf! Leuchte." So hat der Prophet Jesaja die Menschen in Jerusalem aufgefordert. Alle sollen sie leuchten. Es hell machen füreinander. Zu seiner Zeit war die Stadt zerstört und lag in Trümmern. Nur wenige waren noch da und die saßen buchstäblich im Dunkeln. Keine Aussichten mehr. Keine Hoffnung. Aber der Prophet hat gewusst: Gott lässt die nicht im Stich, die im Dunkeln sitzen. Er kommt zu denen, die nicht mehr weiter wissen und nicht mehr weiter können. Aber anscheinend weiß er auch: Manchmal ist die Finsternis hartnäckig. Manchmal sind die Menschen so verbittert, da hat das Licht keine Chance. Sie können es nicht sehen. Sie wollen es nicht sehen. Sie sehen nur das Dunkle. Nur ihren Kummer, nur ihre Enttäuschung.
Denen sagt der Prophet: „Steht auf! Leuchtet". Jeder so gut er kann. Mit eurer Geduld und eurer Ausdauer beim Wiederaufbau der Stadt könnt ihr einander Mut machen. Die Starken können die Schwachen stützen. Die Entschlossenen die Mutlosen aufrichten. Die Mütter können zärtlich sein zu ihren Kindern. Die Väter ein freundliches Wort sagen. Einer kann sagen: Ich bin für dich da. Und ein anderer: Ich brauche dich. So fängt es an zu leuchten. So wird es hell. Wenigstens ein bisschen. Aber viele kleine Lichter machen es doch hell. Und auf einmal sieht man: Gott kommt. Er ist schon da. Er ist bei uns. Überall da, wo wir einander nicht allein lassen. Da ist Gott. Wie damals im Stall in Bethlehem. Das Leben fängt an. Und Menschen können es sehen: Wir sind nicht allein. Dann wird es hell.

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