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SWR1 3vor8

„Bist Du der König der Juden?" Jesus ist das gefragt worden von Pilatus, wenige Stunden vor seinem Tod. Heute wird diese Szene aus dem Johannesevangelium in vielen Gottesdiensten vorgelesen. „Bist Du der König der Juden?" Da kommen bei mir sofort die Bilder aus Israel und Palästina. Raketen, Menschen voller Angst, Politiker vor Mikrofonen. Und dann lese ich in der Bibel weiter, was Jesus antwortet. „Ich bin ein König", sagt er. „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege." (Johannesevangelium 18,37) Ein König, dem es vor allem um die Wahrheit geht! Wahrheit - das ist mein nächstes Stichwort. Ich versuche es mir vorzustellen: Daß alle Parteien in diesem schrecklichen Nahostkonflikt die Wahrheit sagen und der Wahrheit ins Auge sehen, die heißt: Die Menschen in Israel haben ein Recht auf Heimat und ein Leben in Ruhe und Frieden. Die Menschen in Palästina, die Männer, Frauen und Kinder im Gazastreifen haben genau dasselbe Recht. Ihre Wohngebiete abzuriegeln, die Versorgung mit dem Lebensnotwendigen zu verhindern, ist ein Unrecht - genauso wie die Raketen auf Jerusalem. Dies als Wahrheit anzuerkennen, ist ein wesentlicher Schritt im Ringen um einen Frieden, der mehr ist als Waffenstillstand.

Zurück zu der Szene im Evangelium. „Ich bin ein König", hat Jesus gesagt, „und bin gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege." Und dann fährt er fort: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme." Das heißt doch, dass er uns Menschen ein Gespür für die Wahrheit zutraut. Und es gibt ja dieses Gespür auch im Nahen Osten, die Einzelnen, die Gruppen, die Initiativen, wo Christen, Juden, Muslime, Israelis und Palästinenser zusammen leben und sich von der Sehnsucht nach Frieden leiten lassen. Oft mit Gefahr für Leib und Leben.

In der katholischen Kirche heißt der heutige Tag Christkönigssonntag. Er ist Jesus Christus gewidmet, dessen „Regierungserklärung" in dem Wort Wahrheit gipfelt. Deshalb möchte ich gerade heute Anteil nehmen am Schicksal der Menschen im Nahen Osten und für alle beten, die Wege aus der Gewalt suchen.

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