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SWR1 3vor8

Guten Morgen ich bin Wolf-Dieter Steinmann von der evangelischen Kirche. Wenn einem der Tod begegnet kann man wütend werden. Vielleicht haben Sie das auch schon erlebt und empfunden: Wut, weil jemand gestorben ist oder darüber, wie jemand gestorben ist. Der „Tatort" am letzten Sonntag hat gezeigt, in welch dunkle Gefühle der Tod Menschen bringen kann.
Der Kommissar in diesem Tatortfilm wurde erinnert an den tragischen Tod seiner Frau und seiner Tochter. Und da rastet er aus. In verzweifelter Wut zertrümmert er seinen Schreibtisch. Ich kann mir gut vorstellen, dass mancher schon ähnlich empfunden hat. Wütend vor Leid.
Aber ist Wut angesichts des Todes nicht sinnlos? Unrealistisch? Drückt nur aus, wie hilflos und ohnmächtig man ist? Vielleicht. Aber vielleicht ist das ja ganz richtig? Mancher Tod kommt einem auch erst mal nur sinnlos vor, oder nicht?
Und vielleicht kann Wut ein erster kleiner Schritt sein, dem Tod entgegen zu treten, damit man irgendwann über die Trauer hinweg kommt. Am Ende, wenn man viele weitere Schritte gemacht hat, können sich die Gefühle verwandeln.
Sätze aus der Bibel haben mich auf diese Gedanken gebracht. In den evangelischen Kirchen wird heute über sie nachgedacht. Der erste Satz macht Mut, sich eigener Trauer zu stellen.
„Fürchte Dich nicht vor dem, was Du leidest." Jesus sagt das. Nach seiner Auferstehung. Er hat selbst Schlimmes erleiden müssen, den Tod aber überstanden. Und sagt dann einem, der mitten drin steckt im Leid: „Fürchte Dich nicht, vor dem was Du leidest." Ich glaube: Das könnte Mut machen, schmerzvolle Erfahrungen zu durchleben und auszudrücken.
Ich muss keine Angst haben vor dem Leid. Ich muss es deshalb auch nicht verdrängen. Denn ich kann mich darauf verlassen, dass Gott mich auch in finsteren Gefühlen begleitet. Er hat auch Jesus in Leid und Tod begleitet. Und dunkle Gefühle angesichts des Todes auszudrücken, kann helfen sie zu überwinden. Man kann Gott seine Verzweiflung und Wut hinhalten. Damit sie sich mit Gottes Hilfe verwandeln. Dass man sie überwinden kann.
Der zweite Satz Jesu weist in diese Richtung:
„Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen."
Ich höre daraus ein Versprechen: Mit Gottes Hilfe gibt es Wege durch Trauer und Verzweiflung hindurch und hinaus. Das ist wie eine kleine Auferstehung.
Eine kleine Auferstehung ist es, wenn man wieder lachen kann. Wenn man wieder Lust bekommt auf Menschen. Dann kann man den Verlorenen Gott anvertrauen. Es ist eine kleine Auferstehung, wenn man wieder Vertrauen findet ins Leben. Dann verwandelt sich die Wut am Ende in positive Lebensenergie. Mit Gottes Hilfe.

Und dem Engel der Gemeinde in "Smyrna" schreibe:
Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden:
Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! ...
Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode. (Offb 2,8-11)

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