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SWR1 3vor8

Nehmt Euch in acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet."

Da hat Jesus mal wieder Klartext geredet. Seine Worte sind heute in den Katholischen Gottesdiensten zu hören und sie sind auch heute noch aktuell. Was Jesus bei Gott nicht ausstehen konnte war die Scheinheiligkeit religiöser Autoritäten. Wenn Außen und Innen nicht übereinstimmt, wenn jemand fromm tut und doch nur eitel ist. Ein zeitloses Thema nicht nur für religiöse Führungsfiguren, aber besonders für sie. Denn nach ihnen richten sich viele gläubige Menschen aus, sie sollen Vorbild sein. Ihnen stellt Jesus in derselben Rede eine arme Witwe gegenüber. Sie spendet im Tempel einen kleinen Betrag, der für sie aber ein großes Opfer darstellt. Auch damit will Jesus klarmachen, dass es nicht auf Äußeres und nicht auf die Menge ankommt, sondern auf das Innere und die Haltung. Wenn Außen und Innen deckungsgleich sind, dann werden Gaben zum Ausdruck von Hingabe. Egal wie groß sie sind. Sei es ein halber Mantel des heiligen Martinus für einen Bettler, die 50 Cent einer armen alten Frau in den Klingelbeutel oder der 10.000 Euro-Scheck eines Managers. Christliches Sozialverhalten speist sich aus zwei Quellen: Dem Wunsch, dass es dem Anderen nicht schlechter gehen soll als mir. Und der Einsicht, dass Geld, Macht und Besitz nichts sind im Angesicht Gottes.
Ein beeindruckendes Zeugnis dafür haben 500 Bischöfe während des 2. Vatikanischen Konzils gegeben. Im sogenannten „Katakombenpakt" haben sich diese Bischöfe zu Armut und Bescheidenheit verpflichtet. Darin heißt es :
Wir verzichten ein für allemal darauf als Reiche zu erscheinen, wie auch wirklich reich zu sein. Insbesondere in unserer Amtskleidung wollen wir keine teuren Stoffe oder auffallende Farben mehr. Und unsere Amtsinsignien, sollen nicht aus kostbaren Metall - weder Gold noch Silber - gemacht sein
Wir lehnen es ab mit Titeln oder Bezeichnungen angesprochen zu werden, in denen gesellschaftliche Bedeutung oder Macht zum Ausdruck gebracht werden. Titel wie Eminenz, Exzellenz oder Monsignore..."* 
500 Bischöfe haben diesen „Katakombenpakt" vor 50 Jahren unterzeichnet. Das waren immerhin ein Fünftel aller Bischöfe des Konzils. Ob das heute auch noch möglich wäre?

*Quelle: Theologische Quartalsschrift Concilium, 13. Jg., Heft Nr. 4, April 1977. S. 262. 

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