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SWR1 3vor8

Hilft beten? Für einen kranken Angehörigen zum Beispiel, oder wenn man sich große Sorgen macht oder zum Beispiel für den Frieden, wenn irgendwo Krieg droht? Hilft da beten?
In der Bibel steht, ganz entschieden:  „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen" (Jak 5, 15). Das hat in einem Brief Jakobus geschrieben, ein Gemeindeleiter bei den ersten Christen. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten darüber gepredigt. „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen." Kann man da so sicher sein? Wie sind Ihre Erfahrungen? Nach Umfragen betet jeder zweite Deutsche gelegentlich. Und jeder Dritte tut es täglich.
Ich kenne Menschen, die sagen: „Nein, aufs Beten kann man nicht setzen. Ich habe es probiert. Aber es ist doch passiert, was ich befürchtet hatte. Das Beten hat nicht geholfen. Ich bete nicht mehr. Das hat keinen Sinn." Ich selber habe das auch schon erlebt und war furchtbar enttäuscht.
Ich kenne auch Menschen, die sagen: „Ja, als ich gebetet habe für meinen kranken Vater oder für meinen Sohn, um den ich mir Sorgen gemacht habe - da ist es besser geworden. Das Beten hat geholfen." Das habe ich auch schon so erlebt.
Hilft beten? Was meinen Sie?
Nach meiner Erfahrung hilft beten vor allem erst mal mir selber.
Es tut mir gut, mit Gott in Kontakt zu bleiben, gerade auch, wenn es mir nicht so gut geht. Das ist, als ob ich nach der Hand eines lieben Menschen greife. Ich spüre die Nähe. Das tut mir gut.
Und:  Es erleichtert mich, wenn ich meine Sorgen und meine Verzweiflung aussprechen kann. Wenn ich eine Kerze anzünden kann und denken: Jetzt bin ich nicht mehr allein mit meinem Kummer. Jetzt weiß Gott, wie es mir geht. Das erleichtert mich und macht irgendwie wieder ein bisschen Ordnung in meinem Kopf. Dann sehe ich klarer, was los ist. Und ich vertraue darauf, dass er mich nicht im Stich lassen wird. Das hilft mir.
Und den Kranken, für die andere beten, die vom Krieg Bedrohten, die Armen, für die wir Christen beten und denen, die Unrecht leiden? Ich glaube, denen hilft das Beten wirklich - allein schon, dass andere für sie beten. Das lässt die Kranken spüren: Da sind Menschen, die denken an mich, ja die haben mich gern. Die sind für mich da. Jetzt erst recht. Und die Bedrohten und die, die Unrecht erleiden müssen: Die spüren, dass Menschen auf ihrer Seite sind. Dass sie nicht vergessen sind. Dass ihr Leid den anderen nicht egal ist. Und dass die im Unrecht sind, die ihnen das antun. Ich glaube, das ist wichtig und hilft denen, die leiden.
Hilft beten? Ich glaube ja - genau wie Jakobus, der Briefschreiber aus der Bibel. Und Sie?

K. Hofmeister, Beten hilft, Publik Forum, Nr.10/2009, Journal S. 53

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