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SWR1 3vor8

„So hat halt jeder sein Päckchen zu tragen" - Wenn man sich hilflos fühlt, weil das Leben schwer ist, dann ist das oft das Ende vom Lied.
Irgendwo hat jeder sein Päckchen zu tragen: eine Krankheit, eine schwierige Ehe, Kummer mit den Kindern, Sorgen im Beruf. Am Besten ist, man findet sich ab und jammert nicht. Manche meinen sogar, das sei eine christliche Tugend, wenn man sich damit abfindet.
Aber der Apostel Paulus hat das anscheinend ganz anders gesehen: Nicht „jeder muss sein Päckchen tragen", sondern „Einer trage des anderen Last." Das hat er den ersten Christen in einem Brief geschrieben  und dabei an Jesus erinnert. „Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen" (Gal 5, 25). Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten daran erinnert. Nicht also: Findet euch ab und tragt tapfer das Päckchen, das euch aufgegeben ist. Nein, im Gegenteil: Macht euch gegenseitig das Leben leichter. Helft einander tragen.
Ja, und wie soll ich das schaffen, das eigene Päckchen tragen und das des anderen auch noch?
Müsst ihr gar nicht, meint Jesus. „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden." Das hat Jesus angeboten. Es ist für ihn keine besonders christliche Leistung, klaglos seine Last zu tragen. Gewiss, manchmal geht das nicht anders. Aber eigentlich soll keiner das müssen. Gott will, dass Menschen ihr Leben gern leben.
Und damit das klappt, können Menschen sich gegenseitig das Leben leichter machen. Wie das gehen kann, konnte man zum Beispiel in dem Film „Ziemlich beste Freunde" sehen: Der arbeitslose und frisch aus dem Knast entlassene Driss bewirbt sich pro Forma als Pfleger für den querschnittsgelähmten superreichen Philippe. Und die beiden helfen einander, ihre Lasten zu tragen. Der schwerbehinderte Philippe zeigt Driss, dass er wichtig ist und gebraucht wird und einem anderen Menschen gut tun kann. Und Driss fährt den Behinderten im Maserati durchs nächtliche Paris anstatt mit dem behindertengerechten Kastenwagen, er lässt ihn das pralle Leben spüren und verhilft ihm am Ende sogar zu einer Freundin. Zwei Männer helfen sich gegenseitig, die Last ihres Lebens zu tragen. Sie machen einander das Leben leichter. Und das ist kein Opfer für sie, sondern für beide ein großer Spaß. Für beide wird das Leben leichter und bunter.
Ich glaube: Das geht nicht nur im Kino so. Die Geschichte von Driss und Philippe ist eine wahre Geschichte. Und Sie und ich, wir könnten das auch.

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