Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Du hörst mir ja nie zu! Du erzählst mir ja nichts! Jetzt sag doch auch mal, was du meinst! Bei dir red ich doch sowieso gegen eine Wand.
Vielleicht hat Jesus das ja gedacht, bevor er den Mann geheilt hat. Das Markusevangelium erzählt, wie Jesus einem taubstummen Mann die Finger in die Ohren bohrt und ihm auf die Zunge spuckt. Und der kann plötzlich hören und reden. Vor 2000 Jahren waren solche unappetitlichen Methoden nicht ungewöhnlich.
Ob Jesus auch im eigenen Interesse den Taubstummen geheilt hat? Weil er Kontakt mit ihm wollte? Weil er auch wollte, daß der Taubstumme ihn hört und mit ihm redet?Die Bibel erzählt öfter, daß Jesus Menschen heilt: Gelähmte, Blinde, eine Frau mit Bechterew oder Osteoporose und eine andere mit Blutungen, Epileptiker, Aussätzige und psychisch Kranke. Diese Geschichten sollen wohl zeigen, daß er große Kraft und Macht hat, weil Gott mit ihm ist. Und wozu er diese Kraft und Macht einsetzt: damit Menschen weniger leiden müssen und damit sie besser zusammenleben können. Für mich ist die Heilung des Taubstummen eine besonders aussagekräftige Geschichte. Jesus macht einen Menschen gesprächsfähig. Jemand, dessen Ohren nicht in Ordnung waren und der, wohl infolgedessen, nicht oder nur sehr schlecht sprechen konnte.
Ich lese in dieser Geschichte auch, daß Gott uns alle gesprächsfähig will. Hören, aufnehmen, und reden, etwas von sich geben ist ein so wichtiges Stück des Lebens. Wenn es hier krankt, geht es uns schlecht. Heilungsgeschichten in der Bibel sind nicht dazu da, die vielen Nichtgeheilten neidisch oder gar unglücklich zu machen, sondern Heilungsgeschichten können anspornen: gib nicht auf, und besonders bei verstopften Ohren und schwerfälligen Zungen lohnt sich die Mühe. Jesus heilt einen Taubstummen. Öffne dich, heißt das Schlüsselwort. Und wenn ein Mensch sich öffnet, dann kann es immer auch passieren, daß er dabei etwas von Gott mitbekommt. Sich öffnen, also Wirklichkeit an mich ranlassen heißt immer auch: Gott eine Tür öffnen, und sei es mit viel Skepsis und Unglauben.
Aber es ist auch schon viel, wenn uns das Hören und Sprechen miteinander besser gelingt. Jesus hat den Taubstummen und viele andere geheilt, ohne zuerst nach ihrem Glauben zu fragen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13666