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SWR1 3vor8

Guten Morgen, ich bin Wolf-Dieter Steinmann von der evangelischen Kirche. Zu den größten Herausforderungen für uns Männer gehören Niederlagen, denke ich. Niederlagen, die einen tief treffen. Wie wird man ihnen fertig?
Niederlagen können so wehtun und aufwühlen, dass man meint:
Diese Spannung, die sie auslöst, kann ich nur abbauen, indem ich gegen irgendetwas angehe. Und allzu oft sogar gegen jemand.
Dann schlägt man zu: Mit bösen Worten. Manche auch körperlich.
Ich möchte nicht wissen, wie viele Auseinandersetzungen in Beziehungen oder Familien ihre Ursache darin haben, dass einer eine Niederlage einstecken musste. Und diese Niederlage muss gar nichts mit der Partnerin oder Verwandten zu tun haben und trotzdem kriegen sie es ab.
Schon auf den ersten Seiten der Bibel wird auch von dieser Erfahrung erzählt. In der Geschichte von Kain und Abel. In den evangelischen Kirchen wird heute darüber nachgedacht:
Abel war anscheinend erfolgreicher als Kain. Das sieht Kain als Niederlage. Sie trifft ihn mit voller Wucht, er vergisst sich völlig und erschlägt seinen Bruder.
Dabei hatte Gott ihn angesprochen und versucht ihm heraus zu helfen aus seiner Rage, erzählt die Bibel. Bei Kain gelingt das nicht. Seine Niederlage fühlt sich wohl so schlimm an, dass nichts mehr in seiner Wut zu ihm durchdringt.
Trotzdem, auch wenn es bei Kain nicht gelingt.
Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt im Schmerz einer Niederlage. Der Punkt, auf den es ankommt, ob es schlimmer wird oder man der Herausforderung gewachsen ist:
„Warum bist Du so unfassbar wütend," spricht Gott den Kain an.
„Warum?"
Das wäre die Wende, wenn er sich auf diese Frage einlassen könnte und würde. Es ist gut, wenn man anfängt, den Grund für die Verletzung in sich zu suchen. Warum macht mich eine Niederlage so wütend und warum werde ich verletzend? Warum ist mir so? Wenn einem diese Frage einfällt in die eigene Rage hinein, dann wird sie unterbrochen. Wenn man anfängt, sich zu besinnen, dann höre ich schon ein wenig auf, in der Wut gegen andere die einzige Lösung zu sehen.
Warum? Wenn ich mich selbst fragen kann, das hilft schon ein Stück weiter. Wenn mein Gewissen mich anspricht in meiner Wut. An Gottes Stelle. Das mildert die Wut, weil ich Abstand zu ihr kriege.
Indem man seine Wut unterbricht, nimmt man die Herausforderung einer Niederlage positiv an. Dann gewinnt man Selbstbeherrschung zurück. Und man kann die nächsten Schritte tun, die Niederlage zu überwinden. Sie hinter sich lassen. Nach vorn schauen und Neues probieren.
Kain und Abel
Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes.
Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.
Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.
Da sprach der HERR zu Kain:
Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?
Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.
Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.
1. Mose 4, 3-8

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