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SWR1 3vor8

Gott hat eine Vorliebe für leicht schräge Typen. Das gilt, glaube ich, für alle seine Geschöpfe. Ich bin immer wieder erstaunt, was er sich da alles hat einfallen lassen. Die schrill bunten und die mausgrauen, die großen behäbigen und die kleinen wuseligen. Alles Gottes Geschöpfe, denke ich oft. Was der für eine Phantasie haben muss. Und irgendwie auch Humor.
Gott hat eine Vorliebe für leicht schräge Typen. Ich glaube, das gilt auch und erst recht für uns Christen. Da muss es nicht jeder so machen, wie es mir manchmal normal erscheint: Kirchgang am Sonntag, kirchliche Trauung, Taufe der Kinder, ordentliches Familienleben, freundliche Umgangsformen, Tischgebet. Das kann so sein. Muss aber nicht. So verstehe ich jedenfalls den Apostel Paulus, der an die ersten Christen geschrieben hat: „Wir wissen, dass der Mensch durch die Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus." (Gal 2,16) Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten daran erinnert.
Als Paulus das geschrieben hat, haben die Leute sich gefragt: Muss man ein ordentlicher Jude sein, damit man Christ sein kann? Muss man also all die Regeln einhalten, die für Juden gelten: die Beschneidung zum Beispiel und Vorschriften für das Essen, eine bestimmte Kleidung und Fasten? Jesus war ein Jude und alle seine Anhänger auch - viele meinten deshalb, Christen seien so eine Art jüdischer Spezialfall. Und natürlich muss ein guter Christ erst einmal die jüdischen Gesetze einhalten.
Nein, antwortet Paulus da, ganz entschieden - darauf kommt es nicht an. Wer von Jesus begeistert ist, wer so leben will, wie er gelebt hat, so auf Gott vertrauen, wie Jesus es vorgemacht hat: der ist Gott recht. Darauf kommt es an, dass die Menschen leben, wie Jesus es gesagt und vorgemacht hat. Für solche Typen hat Gott eine Vorliebe.
Diese Frage hat Paulus also damals geklärt. Aber bestimmte Äußerlichkeiten und Gewohnheiten, die scheinen immer noch ganz wichtig, gerade auch bei Christen. Ich denke an die beiden Konfirmandinnen, die Röcke wirklich ein bisschen sehr kurz, die T-Shirts wirklich ein bisschen sehr ausgeschnitten, die Fingernägel pink. Die älteren Damen in der Gemeinde rümpfen die Nasen. Aber dann helfen die beiden bei der Waldheimerholung für Senioren am Stadtrand: So fröhlich, so unkompliziert, so warmherzig - da ist den alten Leuten das Herz aufgegangen. Die beiden Mädchen haben sie angesteckt mit ihrer Lebensfreude. Sie haben getan, was Jesus auch gemacht hat: Sie haben anderen Lebensfreude gebracht. Ich glaube wirklich: an den beiden hat Gott seine Freude. Auch wenn sie manchmal ein bisschen schräg daher kommen.
Wir wissen, dass der Mensch durch die Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sind zum Glauben an Jesus Christus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes. Denn durch die Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht." (Gal 2,16)

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