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SWR1 3vor8

Apostelgeschichte 8,1b.4.14-17 Pfingstmontag (B) 
„Der Heilige Geist ist für mich die Ausstrahlung, mit der Jesus auch heute viele Menschen fasziniert."  Das sagt kein gescheiter Theologe, das sagt ein 15-Jähriger im Gespräch vor der Firmung, evangelisch vor der Konfirmation. Das ist seine Antwort auf meine Frage, was er mit der Vorstellung vom Heiligen Geist verbindet: „Der Heilige Geist ist für mich die Ausstrahlung, mit der Jesus auch heute viele Menschen fasziniert." Diese spontane Antwort hat mich doch sehr überrascht. Damit hätte ich nicht gerechnet. 
Dabei erinnere ich mich an eine Vorlesung während meines Theologiestudiums in Tübingen vor 45 Jahren. Darin ergänzt der Professor für mich schlüssig die Aussage des Jugendlichen mit der Feststellung: „Der Heilige Geist bringt nichts Neues, sondern das rechte Verstehen Jesu." *  Diese persönliche Mitschrift habe ich bis heute aufbewahrt. 
Beide Aussagen - die des Jugendlichen und die des Professors - sind für mich der Schlüssel, um eine Text zu verstehen, der heute, am Pfingstmontag, in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist: „Der Heilige Geist war noch auf keinen von ihnen herabgekommen, sie waren nur auf den Namen Jesu getauft." Beides gehört für mich zusammen: Sich bemühen, Jesus recht zu verstehen und von Jesus fasziniert sein. Und das hat dann nach dem Zeugnis der Bibel mit dem Heiligen Geist zu tun. Und was kann ich dabei tun? Ich versuche immer wieder neu, Jesus in den Evangelien auf die Spur zu kommen, seinen Geist zu entdecken. Und was entdecke ich da? - Einen Mann mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Und mit einer Botschaft, die menschlich ist, die Ängste nimmt, die aufatmen lässt. Im persönlichen Umgang mit den Menschen lebt Jesus vor und lässt sie wissen und spüren, dass Gott ihnen gut will, dass er sie liebt, vorbehaltlos liebt. Er zeigt den Menschen einen neuen Stil, wie Gott mit den Menschen umgeht und wie die Menschen mit Gott umgehen dürfen. Dieser neue Umgangsstil heißt: Vertrauen und Liebe. Das hat die Menschen damals fasziniert. Das fasziniert auch mich an Jesus nach 2000 Jahren und auch immer wieder junge Menschen, wenn sie Sätze sagen wie diese: „Der Heilige Geist ist für mich die Ausstrahlung, mit der Jesus auch heute viele Menschen fasziniert."

 *  Herbert Leroy, Vorlesung zum Johannes Evangelium, persönliche, private Mitschrift

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Ich glaube, noch nie war Geist so wichtig wie heute. Wenn sich heute etwas entwickelt: Erfindungen, Entdeckungen, Ideen, Wissen, Kommunikation. Immer ist es der Geist, der die Welt verändert und voranbringt. So weit so schön.

Aber leider, finde ich, gibt es da einen Schatten, immer wieder. Viel zu oft fallen diese geistigen Fortschritte am Ende zurück. Ins Materielle.

Facebook ist für mich ein Beweis: Diese Idee hat Menschen zusammengebracht. Man pflegt Freundschaften, auch über Kontinente hinweg, kann sogar lange verlorene wieder finden. Fast eine Milliarde Menschen lassen sich bewegen von dieser wunderbaren Idee. Aber auch auf ihr liegt dieser Schatten. Erst recht jetzt, nach dem Börsengang. Ich habe nichts gegen Geld verdienen. Aber auch bei Facebook habe ich den Eindruck. Jetzt bestimmt das Geld machen müssen den Geist der Firma. Es hat die Oberhand. Wie so oft. Wenn Menschen zuerst was für sich rausschlagen wollen.

Muss das immer so kommen? Eigentlich hoffen doch die meisten von uns, dass es anders geht. Zwischen Menschen. Dass das, was der Geist hervorbringt, nicht immer vom Geld wollen, verzerrt wird? Sondern dass er gute Beziehungen schafft, sogar Frieden, dass er unsere zerrissene Welt heil macht. Das Leben bereichert, nicht beraubt.
Aber damit das gelingt darf unser Geist anscheinend nicht so allzumenschlich ticken. Damit das gelingt, scheint es nötig, dass unser menschlicher Geist von einem anderen inspiriert und bewegt wird. Die Bibel ist davon jedenfalls überzeugt.
Heute ist Pfingsten und in allen Kirchen wird an den Geist erinnert, den es braucht, damit unsere Erfindungen und Ideen wirklich Gutes hervor bringen.

Paulus hat an die Menschen in Korinth geschrieben:
„Wir haben doch nicht den Geist dieser Welt empfangen, sondern den Geist, den Gott selbst uns schickt." Und an einer andern Stelle beschreibt er, was diesen Geist Gottes auszeichnet: „Er nennt ihn den Geist der Liebe, der Gerechtigkeit, der Güte."

Das wäre doch was, wenn Sie und ich uns von diesem Geist Gottes inspirieren ließen. Dass wir bei unseren Ideen, in unserer Arbeit, in unseren Beziehungen zu anderen nicht zuerst daran denken, was für mich dabei raus springt. Denn so fällt man zurück und das Für-sich-haben-wollen drückt allem seinen Stempel auf.

Ja ich glaube wirklich, dieser gute Geist Gottes war noch nie so wichtig wie heutzutage. Für Facebook, für Sie und mich. Und Paulus meint tatsächlich, wir haben ihn von Gott empfangen. Wir müssen ihn nur zum Zug kommen lassen. Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, evangelische Kirche

Wir haben aber nicht den Geist dieser Welt empfangen,
sondern den Geist, den Gott selbst uns schickt.
Dadurch können wir erkennen, was Gott uns geschenkt hat.
Davon reden wir nicht in Worten, wie sie die menschliche Weisheit lehrt.
Sondern wir reden in Worten, die der Geist Gottes lehrt.
Was der Geist Gottes bewirkt, das erklären wir so,wie er selbst es uns eingibt.

1. Kor. 2,12f

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