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SWR1 3vor8

Himmelfahrt

Nach oben wollen eigentlich alle, glaube ich: zu denen, die es besser haben und besser leben können. Manchem ist jedes Mittel recht, um nach oben zu kommen und dann oben dazu zu gehören. Und wer oben ist, der vergisst oft ganz schnell seine Herkunft. Wenn man erst mal oben ist, hat man kein Verständnis mehr für die, die unten geblieben oder unten gelandet sind. So wird dann der Abstand zwischen „denen da oben" und den anderen, unten, immer größer.Aber „richtet euch nach oben hin aus", das steht sogar in der Bibel (Kol 3,1), im Brief an die Leute in Kollossä. „Richtet euch nach oben hin aus." Ist es sinnvoll, dazu aufzurufen? Tun das nicht schon viel zu viele Leute? In der Bibel geht der Satz allerdings weiter: „Richtet euch nach oben hin aus - dort sitzt Christus, an der rechten Seite Gottes". Soll heißen: direkt neben Gott, quasi als seine rechte Hand, sein Berater und Mitregent. Heute zum Fest Christi Himmelfahrt wird darüber in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt.
Dahin also sollen sich die Christen ausrichten - dahin wo Christus ist. Christus, den sie hingerichtet haben, weil er an der Liebe festgehalten hat. Den sie hingerichtet haben, weil er den Menschen  geholfen hat, die ganz unten waren. Damit hat er denen widersprochen, die oben waren und oben sind und die sagen: Wer unten ist, der ist selber schuld. Wer weiter kommen will und hoch hinaus, der darf kein Pardon geben. Der darf sich nicht um die kümmern, die zu schwach sind, um es zu schaffen. Jesus hat denen widersprochen, die so reden und geredet haben. So fand er Anhänger und Nachfolgerinnen. Und deshalb wurde er hingerichtet. Aber, heißt es jetzt in der Bibel: An dem sollen sich die Christen ausrichten.
An Christus, der gekreuzigt wurde und der jetzt oben ist, „im Himmel". Natürlich nicht irgendwo oben im Weltall. Im Himmel, das heißt: bei Gott. Da, wo das Leben für immer gut ist. Da ist Christus und an ihm sollen sich die Christen orientieren bei dem, was sie sagen und tun.  Darauf kommt es an, nicht darauf, nach oben zu kommen. Wie das geht? Zum Beispiel, wenn man die nicht allein lässt, die unten sind. Zum Beispiel, wenn man sich wie Jesus für die verantwortlich fühlt, die allein keine Chance haben. Am Ende werden die nicht scheitern, die das tun - sondern bei Gott sein. Im Himmel. Wie Jesus auch. Richtet euch nach oben hin aus: An dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, der jetzt bei Gott ist. Sich an dem ausrichten, das richtet einen auf, wenn man müde wird. Dann kann man aufrecht dastehen. Und die Sonne scheint einem ins Gesicht.

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Wenn Menschen über Schatten springen - Cornelius und Petrus  ( Apg. 10, 25f.)

!Das ist schon eine spannende Geschichte, die heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Zwei Männer treffen aufeinander. Cornelius und Petrus. Cornelius ist Hauptmann der römischen Armee in Cäsarea, der bedeutenden Hafenstadt Judäas und Zentrum der römischen Besatzer. Petrus ist die Führungsfigur der neu entstandenen Religion der Christen. Er zieht nach dem Tod Jesu umher und verbreitet den neuen Glauben. Cornelius ist kein Christ, aber ein gläubiger Mensch. Und er hat eine Vision. Ein Engel sagt ihm er solle Petrus treffen. In etwa zur selben Zeit, eine Tagesreise von Cäsarea entfernt hat auch Petrus eine Vision. Ihm wird klar, dass sein neuer Glaube nicht auf seine Herkunftsreligion, das Judentum, begrenzt werden kann. Ein für ihn unfassbarer Perspektivwechsel. Denn Menschen anderen Glaubens gelten für ihn doch als unrein. Hauptmann Cornelius sendet Boten zu Petrus. Sie sollen ihn zu sich nach Cäsarea einladen. Petrus kommt und hat gleich Gelegenheit seine revolutionäre Vision in die Tat umzusetzen. Als sich die beiden Männer begegnen, fällt Cornelius auf die Knie. Petrus richtet ihn aber sofort auf und sagt: „Auch ich bin nur ein Mensch". Cornelius erzählt ihm von seiner Vision und Petrus erkennt wie tief gläubig der römische Hauptmann ist. Und dass Gott nicht auf Herkunft, Nationalität, Stand oder Geschlecht schaut. Sondern darauf wie offen ein Mensch für ihn ist und ob das was er tut recht ist. Und Petrus tauft Cornelius und die Seinen.                                                                                          

Das muss man sich mal vorstellen. Da springen zwei Menschen über mehrere Schatten. Ein römischer Besatzer sucht die Nähe zu einer religiösen Autorität des besetzten Landes. Der Besatzer fällt auf die Knie und die religiöse Autorität lehnt diese Unterwerfungsgeste ab. Weil nach seinem Glauben derlei Gesten allein Gott gelten dürfen. Und Petrus springt über den Schatten der rituellen Gebote und Verbote seiner jüdischen Herkunftsreligion. Weil ihm klargeworden ist, dass der Geist Gottes keine Grenzen kennt.  Das muss man sich mal vorstellen. Was das damals für diese beiden Männer bedeutet hat. Und das muss man sich mal vorstellen, was das heute für meine Kirche bedeuten könnte. Sätze wie „Ich bin auch nur ein Mensch" oder „Der Geist Gottes kennt keine Grenzen"...

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