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SWR1 3vor8

- 1 Johannes 3,1-2
4. Sonntag der Osterzeit (B)
„Gott sehen, wie er ist" - das ist eine sehr steile Behauptung. Doch genau das ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Es heißt dort: „Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden ... wir werden Gott sehen, wie er ist." Nun: darüber kann man ins Schwärmen geraten. Man kann das aber auch als Hirngespinst eines Traumtänzers abtun. Dort der unbegreifliche Gott - und hier ich kleiner Mensch. „Gott sehen, wie er ist" - unmöglich, unvorstellbar. Dennoch versuche ich zu verstehen: wer sagt so etwas und was meint er damit? Der Autor des Textes ist ein gewisser Johannes. Er hat drei Briefe geschrieben, die im Neuen Testament stehen. Seine Gedanken kreisen immer wieder um die Liebe: um die Liebe Gottes zu uns, um unsere Liebe zu Gott. Und er glaubt an diese Liebe. Nicht so, dass ich jedem gleich um den Hals falle. Liebe auch mehr als große, romantische Gefühle. Sie ist auch eine Sache des Verstandes. Und so macht Liebe nicht blind - Liebe macht sehend. „Wir werden Gott sehen, wie er ist" - ein Schlüssel zum Verständnis ist für mich ein Wort von Jesus: „Wer mich sieht, sieht den Vater." (Johannes 14,9)  Das sagt Jesus, obwohl kein Mensch jemals Gott gesehen hat. Aber ich kann in den Evangelien nachschauen, was Jesus gesagt und getan hat. Und da entdecke ich nur Gutes. Jesus, der „Wohltaten spendend" umhergezogen ist (Apostelgeschichte 10,38) - wie es dort heißt - der Kranke geheilt  und sich auf die Seite der Erniedrigten und Beleidigten gestellt hat. Und der Gott seinen Vater genannt hat, der die Menschen bedingungslos, vorbehaltlos liebt. Ich verstehe das Wort des Johannes von der „Gottesschau" so: Jesus ist durchlässig auf Gott hin. Durch Jesus hindurch können wir Gott sehen. So sehr, als wenn Gott sagen wollte: das, was ihr von Jesus hört, was ihr bei ihm seht - das bin ich selbst. In Jesus leuchtet Gott selbst auf. So möchte Jesus, dass wir seinen Vater sehen: „Wer mich sieht, sieht den Vater." Und so möchte ich Gott auch sehen - in mir drin, in der Seele, im Herzen. Im Herzen, das offen ist und einfach, unverfälscht und durchlässig, mit einem besonderen Sinn für Gott. „Gott sehen, wie er ist" - sollte Gott das zulassen, sollte er das möglich machen, dann verstehe ich darunter eine Art innere Schau, ein tief innen sitzendes Glücksgefühl. „Gott sehen, wie er ist" - das ist eine sehr steile Behauptung. Doch genau das ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Es heißt dort: „Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden ... wir werden Gott sehen, wie er ist." Nun: darüber kann man ins Schwärmen geraten. Man kann das aber auch als Hirngespinst eines Traumtänzers abtun. Dort der unbegreifliche Gott - und hier ich kleiner Mensch. „Gott sehen, wie er ist" - unmöglich, unvorstellbar. Dennoch versuche ich zu verstehen: wer sagt so etwas und was meint er damit? Der Autor des Textes ist ein gewisser Johannes. Er hat drei Briefe geschrieben, die im Neuen Testament stehen. Seine Gedanken kreisen immer wieder um die Liebe: um die Liebe Gottes zu uns, um unsere Liebe zu Gott. Und er glaubt an diese Liebe. Nicht so, dass ich jedem gleich um den Hals falle. Liebe auch mehr als große, romantische Gefühle. Sie ist auch eine Sache des Verstandes. Und so macht Liebe nicht blind - Liebe macht sehend. „Wir werden Gott sehen, wie er ist" - ein Schlüssel zum Verständnis ist für mich ein Wort von Jesus: „Wer mich sieht, sieht den Vater." (Johannes 14,9)  Das sagt Jesus, obwohl kein Mensch jemals Gott gesehen hat. Aber ich kann in den Evangelien nachschauen, was Jesus gesagt und getan hat. Und da entdecke ich nur Gutes. Jesus, der „Wohltaten spendend" umhergezogen ist (Apostelgeschichte 10,38) - wie es dort heißt - der Kranke geheilt  und sich auf die Seite der Erniedrigten und Beleidigten gestellt hat. Und der Gott seinen Vater genannt hat, der die Menschen bedingungslos, vorbehaltlos liebt. Ich verstehe das Wort des Johannes von der „Gottesschau" so: Jesus ist durchlässig auf Gott hin. Durch Jesus hindurch können wir Gott sehen. So sehr, als wenn Gott sagen wollte: das, was ihr von Jesus hört, was ihr bei ihm seht - das bin ich selbst. In Jesus leuchtet Gott selbst auf. So möchte Jesus, dass wir seinen Vater sehen: „Wer mich sieht, sieht den Vater." Und so möchte ich Gott auch sehen - in mir drin, in der Seele, im Herzen. Im Herzen, das offen ist und einfach, unverfälscht und durchlässig, mit einem besonderen Sinn für Gott. „Gott sehen, wie er ist" - sollte Gott das zulassen, sollte er das möglich machen, dann verstehe ich darunter eine Art innere Schau, ein tief innen sitzendes Glücksgefühl.

 

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