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SWR1 3vor8

Auf „die da oben" schimpft man gerne. Wahrscheinlich auch deshalb, weil man denkt, die da oben, das sind die anderen, die in den Leitungsfunktionen in Staat und Kirche und Gesellschaft.
In diese Kerbe haut auch der Bibeltext, der für die evangelischen Gottesdienste heute vorgeschlagen ist. Es handelt sich um ein Stück aus einem Brief an erste christliche Gemeinden. Ganz am Schluss seiner Ermahnungen und Anweisungen kommt er auf die Gemeindeleiter zu sprechen. Auf „die da oben" also. Im Brief werden sie: „die Hirten" genannt(1. Petr. 5, 1-4).
Und wenn ich genau lese, dann merke ich auf einmal: das könnte ja auch ich sein!
Hirten sind für den Briefschreiber die Menschen, die sich um andere kümmern, die Verantwortung tragen und an denen man sich orientieren kann. Also nicht nur die Pfarrer und die Kirchengemeinderäte, Minister, Präsidenten und Bürgermeister - auch Eltern und Großeltern, Mütter und Väter, Lehrerinnen und Trainer, Ausbilder und Rundfunkmoderatoren, große Brüder und Schwestern. Sie und ich.
Und was rät dieser Brief nun den Verantwortlichen und den Kümmerern? Wie wird man ein guter Hirte, eine gute Hirtin? Von den Mahnungen dieses Briefes finde ich eine besonders wichtig. Nicht aus Gewinnsucht soll man Hirte sein, sagt er. Und da muss man nicht immer gleich an Gehaltszulagen, Prämien und Boni denken. Gewinn ist, wenn es mein Ego aufbaut, dass andere auf mich hören und mich bewundern. Gewinn ist auch, dass ich stolz sein kann, weil aus denen was wird, für die ich verantwortlich bin. Aber nicht weil ich stolz sein will soll ich mich um die anderen kümmern, steht in diesem Brief. Sondern mit Hingabe.
Hingabe: Ein guter Kümmerer macht nicht bloß seinen Job, so gut wie nötig. Ihm sind die Menschen wichtig, für die er sich einsetzt. Deshalb gibt so ein Hirte oder eine Hirtin etwas von sich hin für die anderen. Erfahrungen zum Beispiel. Die sind unter anderem in der Erziehung wichtig, besonders in der religiösen. Mein Kind soll sich mal selbst entscheiden - wenn das heißt: ich halte mich da raus, dann ist das einfach bloß bequem. Entscheiden wird sich das Kind irgendwann sowieso selbst. Aber wie soll mein Kind sich entscheiden, wenn es nicht weiß, was ich glaube und wie mir das hilft. Oder auch, dass es mir nicht hilft? Ich selber hätte wahrscheinlich nie angefangen mit Beten, wenn ich es nicht von meiner Mutter gelernt hätte. Und wenn ich nicht gemerkt hätte, ihr tut es gut, sich Gott anzuvertrauen.
Dass sie ihre Erfahrungen einbringen, dass macht die guten Hirten aus. Und dass sind nicht bloß die da oben. Sondern wir auch, Sie und ich.

 „Leitet die euch anvertraute Gemeinde Gottes wie ein Hirte seine Herde.... Handelt dabei nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Hingabe." (1. Petr. 5, 2)

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