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SWR1 3vor8

Wieder mal ist vom Weltuntergang die Rede. Nach dem Kalender der Maya soll er Ende 2012 eintreffen. Sogar in seriösen Zeitungen wird darüber geschrieben und diskutiert. Und dabei wird immer erwähnt, dass in der Bibel auch vom Weltuntergang geredet wird. Johannes, der das Buch von der Offenbarung geschrieben hat, das ist auch so ein „Untergangsprophet" heißt es dann.
Ich finde es nicht richtig, wenn man Johannes in diese Reihe der „Weltuntergangsberechner" einsortiert. - Heute wird übrigens in den evangelischen Kirchen an ihn und sein Buch „Offenbarung" erinnert.-
Erstens gibt es bei ihm keinen Untergangskalender mit Datum.
Zweitens geht es in seinem Buch nicht um Angstmache, sondern vielmehr darum, Angst zu nehmen. Gleich zu Anfang sagt Jesus ganz positiv:
„Hab keine Angst. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, aber sieh doch: Ich lebe für immer und ewig." (Offb. 1,17f)
Und das dritte: Ja, es stimmt, Johannes schreibt auch - zum Teil mit erschreckenden Bildern - dass die Welt neu werden wird. Aber das hat nur einen Sinn: Er hofft, dass sie so neu werden kann.
Er stellt sich dieses Neuwerden ziemlich radikal vor, weil er sich fragt:
Kann die Welt bleiben wie sie ist, wenn Gott es gut wirklich mit ihr meint? Muss da nicht vieles ganz anders werden?
Er hat vor 2000 Jahren gesehen, wie politische und wirtschaftliche Zustände viele Menschen quälen und Leid über sie bringen. Und so hofft Johannes, dass vieles anders wird, weil zu viele Menschen zu sehr leiden müssen, wenn alles bleibt wie es ist.
Ich finde, was Johannes fragt, ist bis heute berechtigt: Es gibt doch auch in unserer Welt Zustände, von denen kann ich nur hoffen, dass sie vergehen. Es kann doch zB. nicht so bleiben, dass 1 Milliarde Menschen auf unserer Erde hungern. Es muss vieles vergehen, damit Neues Besseres entstehen kann.
Aber das ist kein Grund, davor Angst zu haben und Angst zu machen damit. Stellen Sie sich mal vor, die Welt der Nazis wäre 1945 nicht untergegangen. Ich denke, dieser Untergang war nötig, damit ein besseres Europa entstehen konnte.
Schlimm genug, dass die braune Gesinnung trotzdem nicht völlig verschwunden ist. Immer noch werden andere damit bedroht und sogar umgebracht.
Weil wir Menschen anscheinend immer wieder in alte Fehler zurückfallen, darum träumt Johannes von einer völlig neuen Welt. Gott wird sie schaffen, hofft, er. Johannes ist jedenfalls kein Weltuntergangsprophet, sondern ein Welterneuerungsprophet.

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