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SWR1 3vor8

Wer weise ist, hat verstanden, wie die Welt funktioniert. Wer weise ist, kann deshalb Rat geben, was man tun muss, um im Leben zu bestehen.
Es gibt weise Staatsmänner. Meistens sind das die älteren und alten. Sie geben den jüngeren Rat. Es gibt weise Großmütter und Großväter: Aus ihrer Erfahrung und aus der Distanz wissen sie Rat, jedenfalls wenn es ihnen gelingt, nicht nur ihre Erfahrungen, sondern auch die veränderten Zeiten zu bedenken.
Weisheit ist praktisch. Sie weiß, wie das Leben gelingen kann. Sie lebt von den Erfahrungen, die die Menschen machen und verdichtet sich in Grundsätzen und Regeln und weisen Worten. So kann man sie dann weitergeben von einer Generation zur anderen.
Weisheit ist verschieden, je nachdem, welche Erfahrungen die Menschen machen. Im Fernen Osten geht die Weisheit davon aus, dass das Alte ehrwürdig ist und hoch zu achten. In Indien sagen die Weisen, es sei wichtig, sein Schicksal anzunehmen und zu ertragen. Nur so könne man glücklich werden. Die moderne kapitalistische Welt funktioniert anscheinend nach dem Prinzip: Wer reich ist, ist mächtig. Und wer mächtig ist, kann die Welt gestalten. Darum kommt es darauf an, reich zu werden. Wer arm ist, hat keine Chance.
Weisheiten sorgen dafür, dass die Welt weiter funktioniert. Und dass die Menschen sich anpassen und sich darin zurecht finden.
Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner Briefe: Es gibt noch eine andere Weisheit. Das ist die Weisheit Gottes. Die widerspricht aller Erfahrung. Die hat verändernde Kraft. Diese Weisheit will nicht, dass Menschen sich einfügen in das, was schon immer so war. Die Weisheit Gottes macht alles neu. Denn sie weiß und erzählt von Jesus Christus, dem Gekreuzigten (1. Kor 2, 2). So kurz nach Weihnachten könnte man wohl auch sagen: Von Jesus Christus, der in einem Stall geboren wurde und in einer Krippe gelegen hat. In ihm und an ihm hat sich die Weisheit Gottes gezeigt: Wie die Welt funktionieren könnte und wie das Leben gut werden könnte - nicht nur das der Reichen und Mächtigen, sondern gerade auch das Leben der Armen und Machtlosen. An diesem Jesus hat Gott es gezeigt. Und dass die Menschen, die versagen, bei Gott eine Chance haben und dass das gelten soll „wie im Himmel so auf Erden" - durch Jesus Christus hat Gott selbst das gezeigt. Er wurde geboren, damit Gottes Weisheit in die Welt kommt. Damit sie unsere Weisheit inspirieren kann.
Denn dann würde die Welt anders werden. Mit diesem Jesus stellt sich Gott den Lebensweisheiten der Menschen entgegen. Ich meine, es würde sich lohnen, mit Gottes Weisheit Erfahrungen zu machen. Vielleicht würden wir dann wirklich weise. Und die Welt würde besser funktionieren.

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