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SWR1 3vor8

2. Adventssonntag (B)
Plädoyer für das Neue - 2 Petrus 3,8-14
„Wir erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde" - und wer hat eine solch maßlose Erwartung? Die ersten Christen, die junge Kirche hat diese Erwartung - zu hören heute, am 2. Adventssonntag, in den katholischen Gottesdiensten. Das kleine Wörtchen „neu" scheint bei den ersten Christen von Bedeutung gewesen zu sein, hatte man sie doch als „die Anhänger des neuen Weges" bezeichnet, die mit diesem Weg für „ziemlichen Aufruhr" gesorgt haben. Auch das steht in der Bibel. (Apostelgeschichte 9,2; 19,23) Was war daran neu und aufruhrverdächtig? -  Jesus lehrte eine andere Beziehung zu Gott. Anders, als das, was die Menschen schon immer von Gott erwartet oder befürchtet haben. Sie sollten ihm nicht ängstlich und unterwürfig begegnen, sondern voll Vertrauen und Liebe. Die menschliche Würde, seine Freiheit, die Gleichstellung von Frau und Mann, Sorge für die Armen und Kranken - das waren Stichworte, die diese neue Gemeinschaft gekennzeichnet haben. Für die Antike war das ziemlich neu, eine Revolution, die - wie gesagt - für „ziemlichen Aufruhr" sorgte. Daraus ist inzwischen eine alte, mitunter schwerfällige Bewegung geworden. Eher misstrauisch gegenüber dem Neuen. Bedacht auf das, was sich bewährt hat. Bei dem man weiß, wo man dran ist. Die Kirche tut sich oft schwer, ihre Botschaft neu zu sagen und entsprechende Formen von Glauben und Leben mit den Menschen heute zu entwickeln. Dabei fällt auf: Die Bibel schätzt das „Neue". In schweren Zeiten ermutigen die Propheten das Volk Israel zum Gottvertrauen: Er wird „etwas Neues machen". (Jesaja 43,18-19) Und: mit einem „neuen Herzen" und einem „neuen Geist" werden sie auf „neue Gedanken" kommen und Gott „neue Lieder" singen. (Ezechiel 11,14-25) - so heißt es dort. Das waren noch Zeiten! Allerdings hat das Neue, wie es in der Bibel steht, nichts zu tun mit Vorstellungen, wie wir das heute oft sehen: „Heute in und morgen out". Wir warten und hoffen auf „einen neuen Himmel und eine neue Erde". Unter diesem „neu" verstehe ich: Unbekannt - also nicht, was wir ohnehin schon lange kennen. Unerhört - also nicht, was wir schon lange haben läuten hören. Ungewöhnlich - was eben nicht unseren Gewohnheiten entspricht. Außerordentlich - was nicht aus unseren Ordnungen entsteht, unsere Ordnungen aber gehörig durcheinander bringen kann. Und neu heißt in der Bibel auch: Es gibt ein Ziel - Gott selbst! Die Menschheit, die Geschichte, die Schöpfung sind mit einbezogen, wenn Gott verspricht: „Seht, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5)

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