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SWR1 3vor8

Gott ist anders als eine Bank oder ein menschlicher Kreditgeber. Und ich glaube, wir können froh darüber sein. Ich schließe das aus einer merkwürdigen Geschichte in der Bibel, über die heute in den evangelischen Kirchen nachgedacht wird. Jesus erzählt da ein Gleichnis von Menschen, die bei einem anderem in der Schuld stehen. Diesen anderen nennt Jesus zwar nicht Gott, aber er denkt bei diesem Kreditgeber an ihn. Und dieser Kreditgeber ist anders als gewohnt.
Jesus erzählt also von einem sehr wohlhabenden Mann, bei dem viele Leute Schulden haben, und von seinem Geschäftsführer. Dem Wohlhabenden trägt man zu: ‚Dein Geschäftsführer verschleudert Dein Vermögen. 'Er bestellt ihn sofort ein und kündigt ihm an, ihn zu entlassen.
Aber vorher soll der Geschäftsführer noch die aktuelle Bilanz vorlegen: Wer hat alles wie viele Schulden bei mir. Und der Geschäftsführer? Der macht genau das, was die Gerüchte über ihn behaupten: Er veruntreut. Er lässt alle kommen, die bei seinem Herrn in der Schuld stehen. Und erlässt ihnen große Teile davon. Er denkt an seine Zukunft: ‚Wenn ich wirklich entlassen werde' sagt er sich, ‚werden sie es mir hoffentlich danken, dann liege ich nicht auf der Straße.' Dann legt er diese Bilanz vor, und dem Wohlhabenden ist klar, wie großzügig er Schulden erlassen hat.
Und jetzt die Überraschung: Als Reaktion des Wohlhabenden steht in der Bibel: „Und der Herr lobte den Verwalter, er habe schlau und klug gehandelt."
Der Kreditgeber Gott reagiert also ganz anders als Banker, und wohl auch anders, als Sie und ich es tun würden.
Er ist nicht ungehalten über den Schuldenschnitt, der da gewährt worden ist. Zuerst wollte er den Geschäftsführer wegen eines Verdachts entlassen, jetzt wo der Schulden offensichtlich erlassen hat, lobt er ihn. Was für ein Umschwung. Ich hätte erwartet, dass bei so einem Verlust seine Stimmung noch düsterer wird. Aber der Kreditgeber Gott macht freundliche Miene. Trotz des Schuldenschnittes.
‚Trotz'? Ich glaube, diese Geschichte meint sogar ‚gerade darum.' Es sieht so aus, dass es ganz im seinem Sinn ist, wie sein Geschäftsführer handelt.

Ich glaube, es tut gut, wenn Sie und ich uns immer wieder daran erinnern: Ich muss in Gott nicht den sehen, der abrechnet, was ich schuldig bleibe. Und der mit den anderen abrechnet. Er will zum Leben helfen und seine Strategie ist: Schuldenschnitt. Damit ich wieder Luft bekomme zum leben. Und Sie auch.

Bibeltext:
Dann sagte Jesus zu den Jüngern:
"Ein reicher Mann hatte einen Verwalter.
Über den wurde ihm gesagt, dass er sein Vermögen verschwendete.
Deshalb rief der Mann den Verwalter zu sich und sagte zu ihm:
'Was muss ich über dich hören? Lege deine Abrechnung vor!
Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.'
Da überlegte der Verwalter:
'Was soll ich nur tun? Mein Herr entzieht mir die Verwaltung.
Für schwere Arbeit bin ich nicht geeignet. Und ich schäme mich, betteln zu gehen.-
Jetzt weiß ich, was ich tun muss! Dann werden mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich kein Verwalter mehr bin.'
Und er rief alle einzeln zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten.
Er fragte den ersten: 'Wie viel schuldest du meinem Herrn?'
Der antwortete: 'Hundert Fässchen Olivenöl.'
Da sagte der Verwalter zu ihm:
'Hier ist dein Schuldschein. Setz dich schnell hin und schreib fünfzig!'
Dann fragte er einen anderen: 'Und du, wie viel bist du schuldig?'
Er antwortete: 'Hundert Sack Weizen.'
Der Verwalter sagte: 'Hier ist dein Schuldschein, schreib achtzig!'

Und der Herr lobte den betrügerischen Verwalter, weil er so schlau gehandelt hatte.

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