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SWR1 3vor8

( Paulus 1 Thess 4, 13-18) 

„Was geschieht eigentlich mit den Verstorbenen?" In den katholischen Gottesdiensten ist heute eine Antwort auf diese Frage zu hören, die rund 2000 Jahre alt ist. Und sie beschreibt in ziemlich konkreter Weise wie sich der Apostel Paulus das vorgestellt hat. An die Gemeinde in Tessalonich, dem heutigen Thessaloniki, hat er folgende Worte geschrieben: „...der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, schreibt Paulus, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein."  Warum schreibt Paulus das an die junge Christengemeinde in Tessalonich? Und warum schreibt er es so? Dazu muss man wissen, dass die ersten Christen in einer intensiven Erwartung lebten. In einer Erwartung, dass Christus wiederkäme. Und zwar bald. Und mit ihm das Reich Gottes und das Ende dieser Welt. Die, die an ihn glaubten würden dann zu ihm gehören und das ewige Leben gewinnen. Nun kam er aber nicht. Und es starben die ersten Christen in den jungen Gemeinden. Und sie fragten Paulus was denn nun mit den Verstorbenen geschehen würde. Denn sie kannten noch keine eigenen christlichen Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod. Ihnen schreibt er zum ersten Mal von seinem Glauben, ja seiner festen Zuversicht, dass die Lebenden wie auch die Toten in Christus sein und auf immer leben werden. Als heutiger Christ kommt einem vielleicht die klare Reihenfolge der Auferstehung fremd vor, oder auch die sehr konkreten Vorstellungen von Posaunen, Befehlen und Wolken. Was ich aber schön finde, ist dieser Gedanke der Gemeinschaft von Lebenden und Toten, durch einen gemeinsamen Glauben, vor allem aber durch die Liebe. Denn dieser Brief, in dem der Apostel Paulus zum ersten Mal von dieser Gemeinschaft der Glaubenden über den Tod hinaus geschrieben hat, ist nicht nur eine theologische Spekulation, sondern ein Trostbrief. Paulus will die trauernden Christen in Thessalonich trösten, indem er sie gedanklich mit den Verstorbenen verbindet. Und damit ihren Glauben und ihre Liebe lebendig hält. Dieser Gedanke hat sich gehalten. 2000 Jahre lang. Und er kann auch heute noch tröstlich sein...

Einen schönen Sonntag wünsch' ich Ihnen! 

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