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SWR1 3vor8

Wenn er es gekonnt hätte - wäre er dann wirklich in den Himmel gekommen? Wenn er wirklich seinen ganzen Besitz für die Armen gegeben hätte - hätte er dann Ruhe gefunden auf seiner Suche nach dem ewigen Leben?
Sie erinnern sich vielleicht an die Geschichte, über die heute in den evangelischen Gottesdiensten nachgedacht wird:
Ein Mann kam zu Jesus und fragte: Was muss ich tun, um ewiges Leben zu haben? Eigentlich hatte er ja wirklich schon ein hochanständiges Leben geführt. Es gab anscheinend keinen Flecken auf seiner weißen Weste. Was könnte er nun noch tun? Jesus antwortet ihm: „Verkaufe alles, was du hast, und gib den Erlös für die Armen. Und dann folge mir nach." Da ging, heißt es in der Bibel, der Mann traurig weg.
Ich habe mich schon oft gefragt, ob das denn sein kann: Wäre er wirklich in den Himmel gekommen, wenn er es fertig gebracht hätte, seinen ganzen Besitz für wohltätige Zwecke herzugeben? Ich glaube das nicht. Der Mann hätte keine Ruhe gefunden. Wahrscheinlich hätte er den nächsten gefragt: Was muss ich denn noch tun? Er wollte ja wirklich auf Nummer sicher gehen. Aber so hätte er bei dem Versuch, alles richtig zu machen, wahrscheinlich eine Menge Menschen vernachlässigt und verletzt und irgendwie übersehen oder genervt. Das passiert leicht, wenn man alles richtig machen will in seinem Beruf, in seiner Familie oder wo auch immer man Verantwortung trägt.
Ich glaube, das wollte Jesus diesem Mann und mir, wenn ich heute die Geschichte höre, klar machen: Man kann sein Leben nicht durch und durch planen. Das Leben nicht und das Leben nach dem Tod schon gar nicht. Man kann sich nicht gegen alle Gefahren absichern - auch nicht mit Wohlstand, mit dem man sich doch eigentlich alles leisten und alles erreichen kann. Das geht nicht, genau so wenig, wie ein Kamel durch ein Nadelöhr passt. Denn: Der Wohlstand macht einen schwerfällig und unbeweglich, wie ein Kamel. Auf einmal sieht man nur noch das Geld als Lösung für alle Probleme und als Versicherung gegen alle Sorgen. Dann kann man sich nicht mehr auf das Leben einlassen. Man kann sich nicht mehr auf die Menschen einlassen, die einen brauchen. Dann kann man Jesus nicht mehr folgen, denn der hat sich eingelassen hat auf die Menschen, die ihn gebraucht haben.
Deshalb will ich versuchen es so zu machen, wie Jesus es geraten hat. Ich will versuchen, mich darauf zu verlassen, dass Gott für mich sorgen wird: Zum Beispiel wenn ich alt werde. Z.B. wenn ganz ungewiss scheint, was kommt. Und bis dahin mich auf die Menschen einlassen, die mich brauchen. Manchmal sicher auch mein Geld. Aber vor allem: Meine Nähe.

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