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SWR1 3vor8

Seuchen, Krisen und Kriege, Pleiten und der Zusammenbruch ganzer Weltreiche. Jede Generation hat auf Ihre Art unter solchen Katastrophen zu leiden. Das Elend, das dann über Menschen kommt, Hunger und tausendfaches Sterben, oder auch bloß die Angst vor dem, was kommen könnte, das spiegelt sich auch in der Bibel. Vor allem in den Klageliedern des Jeremia werden Angst und Schrecken beschrieben. Es wird einem ganz elend, wenn man hört, was Menschen erdulden müssen.
So ist es wohl auch Jeremia, dem Verfasser dieser Klagelieder gegangen. Aber er merkt: Es tut einem Menschen nicht gut, wenn er immer nur auf das Elend sieht, das er erleben muss. Deshalb kommt in seine Klagelieder auf einmal ein ganz anderer Ton: „Ich will mich an etwas anderes erinnern, damit meine Hoffnung wieder kommt: Durch Gottes Güte sind wir noch am Leben, denn seine Liebe hört niemals auf. Jeden Morgen ist sie neu und seine Treue ist unfassbar groß!" (Klagel 3, 21-23)
Genau das ist in den evangelischen Gottesdiensten heute für die Predigt vorgegeben. Vielleicht, damit auch wir uns erinnern, wenn jetzt so viel von Krisen die Rede ist.
 „Ich will mich an etwas anderes erinnern, damit meine Hoffnung wieder kommt!" Ich will! Ich höre das und denke: Als ob das so einfach wäre! Es gibt Situationen, da sieht man nur noch schwarz. Dann braucht man einen anderen, der einen erinnert. Manchmal scheint mir, das ist eigentlich das Wichtigste, was Menschen in so einer Situation füreinander tun können: dass sie einander erinnern. Denk doch zurück! Gottes Güte ist groß. Du hast das doch schon erlebt. Gott lässt die nicht im Stich, die auf ihn hoffen. Darauf kannst du dich auch jetzt verlassen.
Ich will mich an etwas anderes erinnern. Wir leben! Es ist nicht gar aus mit uns - wir leben und darum haben wir Möglichkeiten und Chancen und können etwas tun. Das ist Gottes Güte. Meine Schwiegermutter hat mir oft von der Zeit gleich nach dem zweiten Weltkrieg erzählt. Da lag auch alles in Trümmern, wie damals zur Zeit des Jeremia. Aber es kann anders, es kann besser werden. Es wird bergauf gehen. Wir leben. In all den Trümmern und all den Tränen war das damals anscheinend doch auch eine Zeit voller Hoffnung und voller Aufbruch. Es ist nicht aus. Wir sind nicht gar aus!
Damit war damals noch längst nicht alles gut. Aber es gab Hoffnung. Menschen haben gespürt: Gottes Güte hört niemals auf. Wir können etwas tun. Wir können versuchen, es besser zu machen. Wir können denen helfen, die allein nicht mehr auf die Beine kommen. Gott wird uns beistehen. Denn seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Sie ist alle Morgen neu und seine Treue ist groß.

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