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SWR1 3vor8

„Sie sind doch Pfarrerin, sie können das besser!" Es ging darum, eine alte Dame zu besuchen, deren Mann vor ein paar Wochen gestorben ist. „Sie finden da eher die richtigen Worte als wir normale Christen!" Das hat mir eine patente, warmherzige Frau gesagt, als ich noch in einer Gemeinde bei Tübingen Pfarrerin war. Was mich daran bis heute bewegt, ist diese Unterscheidung. „Sie als Pfarrerin und wir normale Christen." Stimmt das denn, frage ich mich jedes Mal. Wir Pfarrerinnen und Pfarrer sind doch auch bloß „normale" Christen. Oder nicht? Gibt es einen Unterschied zwischen Pfarrern und den anderen in einer Gemeinde?Nein, Pfarrer und Pfarrerinnen sind nichts Besonders und auch keine besseren Christen als andere. Leider, möchte man manchmal sagen. Und ja. Pfarrerinnen und Pfarrer haben besondere Aufgaben. Dazu werden sie ausgebildet und beauftragt. Nein Pfarrerinnen und Pfarrer sind nichts Besonderes. Im Gegenteil: Jeder und jede, die auf Gott vertraut, ist so etwas wie ein Priester. Daran wird heute in den evangelischen Gottesdiensten erinnert. Es wird ein Bibelabschnitt vorgelesen, da bezeichnet Mose die Juden, die ihm durch die Wüste gefolgt sind, als heiliges Volk und als Königreich von Priestern(2. Mose 19, 6). Ihr seid das Volk, das zu mir gehört, ein Reich von Priestern.  Mose  tut das im Auftrag Gottes. Und der Jude Jesus hat später gesagt, dass das für alle jeden Menschen aller Nationen und Rassen gilt, die an Gott glauben, egal ob Mann oder Frau, ob schwarz, weiß oder gelb, egal aus welchem Land), Auch alle Christen also: Ein Volk von Priestern. Alle also können sie beten wie die Priester. Alle können auf Gott hören, wenn sie hören, was die Bibel von ihm erzählt. Alle Christen können, ja sie sollen von ihrem Glauben reden. Sie sollen ihren Glauben öffentlich einbringen, damit die Welt gerechter werden kann, barmherziger und friedlicher. Und vor allem: alle sollen ihren Kindern und Enkeln weiter geben, was sie selber glauben und woran sie sich halten. Aber in unserer komplizierten Welt gilt wohl auch: Ja, Pfarrerinnen und Pfarrer braucht man trotzdem. Weil, wie in vielen anderen Bereichen des Lebens nicht jeder alles gleich gut kann. Weil man manchmal einen Gesprächspartner braucht, der Zeit hat zum intensiven Nachdenken. Deshalb ist es gut, wenn man Leute ausbildet, denen man den Beruf des Pfarrers übertragen kann. Sie sind gewissermaßen die Religionsbeauftragten: damit man immer jemanden erreichen kann, der Zeit hat für die Glaubensfragen, für Gottesdienste, Beerdigungen und Taufen. Nicht, weil sie etwas Besonderes wären, sondern weil sie besonders viel Zeit dafür haben. Es ist ja ihr Beruf.

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