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SWR1 3vor8

Petrus - nicht Türsteher, sondern Türöffner des Glaubens
Du bist Petrus der Fels, und auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen." Das steht in der riesigen Kuppel des Petersdoms in Rom. Auf goldenem Grund in 2 Meter großen Buchstaben. Dieser Satz ist aus einem der umstrittensten Texte der Evangelien und heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Er steht im 16. Kapitel des Matthäusevangeliums und die katholische Kirche sieht in ihm den christlichen Führungsanspruch des Papstes begründet. Dass die Christen diesen Satz unterschiedlich verstanden haben, hat wesentlich zu ihrer Spaltung beigetragen. Und darum ist er behutsam und kritisch zugleich zu betrachten. Das fängt an damit festzustellen, dass Jesus diese Worte mit Sicherheit so nie gesagt hat. Sie wurden ihm von Menschen in den Mund gelegt, die im Nachhinein Interesse daran hatten, die Führungsrolle des Petrus unter den ersten Christen zu begründen. Zum behutsamen Umgang mit diesem Satz gehört auch, sich mit der ursprünglichen Bedeutung der biblischen Worte zu beschäftigen. Denn obwohl Jesus den umstrittenen Satz so nicht gesagt hat, ist wiederum sicher, dass er Simon, den später Petrus genannten Vertrauten, immer wieder liebevoll auch Kephas genannt hat. Und Kephas heißt Grundstein, Eck- oder Edelstein. Petros und Petrus sind die griechischen und lateinischen Übersetzungen von Kephas. Soll heißen, Petrus hat schon eine besondere Rolle unter den Jüngerinnen und Jüngern gehabt. Vor Jesu Tod und auch danach (unter den ersten Christen).
Nur, ob deswegen der Bischof von Rom und seine ganzen Nachfolger eine hervorgehobene Rolle unter allen Christen haben müssen, das wird von den protestantischen und den Orthodoxen Kirchen bestritten. Noch vehementer wird von ihnen abgelehnt, dass der Papst in Rom in lehramtlichen und kirchenrechtlichen Fragen für alle Christen das alleinige Sagen haben soll. Denn sie sind überzeugt, dass das Bild vom Fels sich nur auf den felsenfesten Glauben des Petrus bezieht. Da, aber auch nur da, könnten sich manche orthodoxe und protestantische Christen schon auch eine herausragende Rolle des Papstes vorstellen. So als eine Art spiritueller Sprecher der Christen. Als Türöffner zum christlichen Glauben, nicht als Türwächter, wie es das Klischee-Bild von Petrus als himmlischen Türsteher mit Schlüsselbund vermittelt. Petrus oder der Papst also als pastoraler Türöffner, der den Menschen den Glauben erschließt und dadurch den Weg zum Himmel öffnet. Eine schöne Rolle, die vielleicht auch helfen könnte, die Spaltung der Christenheit zu überwinden. Wenn, wie von Papst Johannes-Paul dem Zweiten sogar schon angedacht, sich protestantische, orthodoxe und katholische (Führungs)Persönlichkeiten in dieser Rolle abwechseln könnten... Ich weiß, das ist schon sehr weit weg von der christlichen Realität. Aber man wird doch noch denken und hoffen/träumen dürfen... Einen schönen Sonntag wünsch' ich Ihnen!

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