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SWR1 3vor8

Manchmal muss ich alles auf eine Karte setzen. Wie die zwei Männer im Matthäusevangelium, Kapitel 13. Der eine entdeckt in einem Acker einen Schatz, gräbt ihn wieder ein, verkauft alles, was er hat, und kauft diesen Acker. Der zweite sucht überall nach schönen Perlen, als er eine besonders kostbare findet, verkauft er alles und kauft diese Perle. Beide geben alles weg, um einer einzigen Sache willen. Mich regt das an zu fragen: was bedeutet mir soviel, dass ich dafür alles andere weggeben würde? Meine Wohnung, Gesundheit, ein Mensch, ein soziales Anliegen, ein politisches Projekt? Was ist mein Schatz? Was ist meine Perle? Vielleicht auch: was ist die Perle, die ich suche, aber noch nicht gefunden habe? Und wie findet sie dann Platz in meinem Leben?
Für die zwei Männer aus den biblischen Gleichnissen scheint die Sache klar zu sein, von dem ersten heißt es sogar, dass er „voll Freude" alles verkauft, was er hat, nur um an den Schatz zu kommen. Keine mühsame Entscheidung also, kein Geiz, keine Angst vor dem Risiko, ganz im Gegenteil. Beide können etwas, worum ich sie durchaus beneide: sich von Neuem, das in ihr Leben tritt, anziehen lassen und Prioritäten verändern.
Die zwei Geschichten sind Gleichnisse. Es geht darin um den Glauben und seine Konsequenzen. Die zwei haben den Glauben an Jesus Christus gefunden, an Gott. Der unzerstörbares Leben verspricht. Der mit den Menschen und mit der Welt verbunden ist. Jetzt schon. Dieser Fund wird für die beiden zum Wichtigsten in ihrem Leben, so wertvoll wie nichts sonst. Ich höre in den beiden Geschichten eine Einladung: Aufmerksam zu sein, was der Schatz, was die Perle in meinem Leben ist. Vielleicht fällt er mir in den Schoß, vielleicht muß ich lange suchen. Vielleicht führt die Suche ja irgendwann zu Gott, und die Prioritäten verschieben sich. Es muß ja nicht plötzlich und auf einmal passieren.

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