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SWR1 3vor8

Matthiäs 10,37-42
13. Sonntag im Jahreskreis  (A)

 Einen schönen guten Morgen, ich bin Pfarrer Michael Broch aus Leonberg.
Jesus konnte ganz schön anmaßend sein - zumindest auf den ersten Blick. „Wer Vater oder Mutter, wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." - das steht im Matthäus Evangelium und ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Jesus scheint es darauf angelegt  zu haben, die Leute zu schockieren.
Was ist da bloß in Jesus gefahren? - Statt sich zu freuen, dass eine Familie intakt ist, dass sich die Eltern mit den Kindern gut verstehen und die Kinder mit den Eltern - mischt sich Jesus geradezu unflätig ein. Er beansprucht - man kann es nicht anders sagen - den ersten Platz in den Herzen der Menschen. 
Wie soll man das verstehen? -  Zwei Überlegungen sind für mich wichtig: Zum einen denke ich: will er keine allgemeingültigen Wahrheiten lehren. Er will mich aufrütteln, mich aus dem alltäglichen Trott herausholen. - Jesus möchte eine besondere Beziehung mit mir eingehen und mich zu seinem Lebensstil bringen. Und was ist das für ein Lebensstil? - Sich der Bedrängten annehmen, den Menschen Gutes tun, ihre Lasten tragen helfen, Gescheiterten neue Lebensperspektiven eröffnen. Und all dem dürfen Familienbande nicht im Wege stehen. Ein weiterer Zugang , dieses Wort Jesu zu verstehen, ist für mich das: Man muss wissen, wie brisant und dringend die Situation damals für Jesus und die Seinen war: Sie sahen sich kurz vor dem Ende der Welt. Sie erwarteten einen Eingriff Gottes in allernächster Zukunft. Man nennt das in der Theologie: die „Naherwartung", die Vollendung des Reiches Gottes. - Erst wenn wir von dieser Dringlichkeit wissen, verstehen wir manches besser, was Jesus getan und gesagt hat. Aber was geht das mich an, nach 2000 Jahren? - Ich glaube, Jesu dringliche Botschaft gilt auch heute und sie gilt mir. Und warum ist das so dringlich? Weil mich sonst zu viele Dinge davon abhalten, die Einladung Jesu sofort anzunehmen, mich auf seine Botschaft einzulassen.
Christ sein im Sinne Jesu erhebt den Menschen. Ich fühle mich frei und geborgen. Ich darf mich freuen. Und wenn ich Gutes tue, dann soll ich es möglichst gleich und gerne tun. Ich sehe in dieser Provokation Jesu eine radikale! Liebeserklärung Gottes an mich, an jeden, der sich darauf einlässt. Und eine solche Liebeserklärung duldet eben auch heute keinen Aufschub - mit oder ohne Familie.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

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