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SWR1 3vor8

Keine Miete, keine Grundsteuer, keine Nebenkosten. Stattdessen: Wohnrecht für immer, zufriedene Nachbarn, und ein überaus liebenswürdiger Hausherr. So stelle ich mir die Wohnungen vor, von denen im Johannesevangelium, Kapitel 14 die Rede ist. Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern, die sind ganz durcheinander, weil sie seinen Tod ahnen. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!", sagt er, und dann: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.... Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten." Die Jünger hatten ja auch Angst um sich: Wie geht es denn mit uns weiter, wenn Jesus tot ist, wo bleiben wir? Und jetzt das Versprechen mit den Wohnungen, und dass jeder einen Platz finden wird. Ich habe ein wenig in der Wortgeschichte gestöbert, wollte wissen, was das Wort wohnen bedeutet. Und festgestellt: wohnen bedeutet bleiben. Ich habe Begriffe gefunden wie: ausharren, zufrieden und befriedet sein, sich an einer Stelle wohl befinden, behaglich, auch einen Hinweis auf das Wort Weide habe ich entdeckt, und immer wieder „bleiben". Wenn Jesus hier also von Wohnungen redet, dann verspricht er einen Ort, wo Menschen bleiben können, wo keiner sie mehr vertreibt. Wo sie willkommen sind. Und ich möchte hinzufügen: wo sie auch innerlich ankommen dürfen. Wo die innere Unruhe ein Ende findet. Dieses Gefühl: ich weiß nicht, wohin ich gehöre; ich weiß nicht, zu wem ich gehöre. Im Johannesevangelium redet Jesus noch weiter mit den Jüngern: „Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin."
Diese Worte werden oft zitiert, wenn jemand gestorben ist, seit 2000 Jahren sind sie für viele Menschen ein persönlicher Hoffnungstext. Wo bleibe ich, wenn ich nicht mehr bin? Wo sind sie geblieben, die ich verloren habe? Ihr bleibt, ihr habt eine Heimat, habt einen Ort, an dem Ihr leben dürft, gemeinsam mit mir,  - so hat Jesus es versprochen, so haben die Menschen ihn verstanden und zu hoffen begonnnen und diese Hoffnung weitererzählt.
Deshalb sind auch mir diese Worte kostbar - bei allen Fragen, die offen sind. Die Fragen müssen ja nicht bleiben, wenn wir unsere Bleibe gefunden haben.

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