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SWR1 3vor8

3. Fastensonntag (A)

Mich fasziniert immer wieder die Freiheit und die Toleranz, mit der Jesus Fremden und Heiden, sprich anders- oder nichtgläubigen Menschen begegnet. In den katholischen Gottesdiensten geht es heute um so eine Begegnung. Das Johannes Evangelium berichtet davon. Jesus unterhält sich mit einer Frau in einem Ort in Samarien. Er bricht damit gleich zwei Tabus. Einmal war es damals streng verboten, als Mann eine fremde Frau anzusprechen. Und ausgerechnet auch noch mit einer Frau aus Samarien, einer Samariterin. Menschen aus dieser Region galten bei den Juden als Häretiker, als Fehlgläubige. Sie mieden jeglichen Umgang mit ihnen. Und dann provoziert Jesus noch einmal mit etwas anderem. Jesus und die Frau unterhalten sich darüber, ob man in Samarien oder in Jerusalem Gott recht verehrt. Da verblüfft Jesus mit der Feststellung, dass die rechte Verehrung Gottes nicht an irgend welche Orte gebunden sei - und seien es noch so heilige Orte. Und er fährt fort: Die wahren Beter beten Gott an „im Geist und in der Wahrheit". Ein gewichtiger Satz. Für mich steckt hinter dem Verhalten und hinter dieser Aussage Jesu  das: Gott allein ist die unbegreifliche Wahrheit. Und keine Kirche, keine Religion besitzt einfach diese Wahrheit. Was die christlichen Kirchen bis heute trennt, ist demnach nicht die Wahrheit Gottes, sondern die verschiedenen Auslegungen und Deutungen, Erfahrungen und Zugänge zu dieser Wahrheit. Die Erfahrung, die Jesus mit Gott gemacht hat - diese Erfahrung überzeugt mich am meisten. Für ihn ist Gott Liebe, mit der er jeden Menschen annimmt - ohne Vorbedingungen. Eine Liebe, in der jede und jeder unbedingt erwünscht ist. Diese Botschaft hat Jesus verkündet und gelebt, vorgelebt. In der Konsequenz - so verstehe ich Jesus - heißt das: Ohne Liebe ist nichts wahr. Menschlichkeit und Liebe sind der Maßstab für den wahren Glauben und die rechte Verehrung Gottes - und sei es am letzten Ende der Welt. In Jesu Botschaft und in seinem Leben scheint genau diese Liebe auf, die mich an Gott glauben lässt. Jesus ist für mich derjenige, dem ich seinen Gott glaube.

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