Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

„Jesus antwortete ihnen: "Die Menschen dieser Generation sind böse - wie Ehebrecher. Sie verlangen ein Zeichen. Sie werden kein Zeichen bekommen außer dem Zeichen, des Propheten Jona (Mt 12, 39)."

Manchmal hätte ich gern ein Zeichen. Von den Menschen, die ich liebhabe zum Beispiel, dass sie auch an mich denken und mich gern haben. Warum rufen sie nicht an? Könnten sie nicht wenigstens mal fragen, wie es mir geht? Manchmal gerät meine Gewissheit ins Wanken - dann täte mir so ein Zeichen gut.
Manchmal hätte ich auch gern ein Zeichen von Gott. Wenn mich die schreckliche Katastrophe in Japan atemlos macht. Oder die verzweifelte Situation der Protestierenden in den arabischen Ländern. Dann hätte ich gern ein Zeichen von Gott. Dass ihm das nicht egal ist. Dass er für mich da ist. Dass ich mich darauf verlassen kann: Er steht denen bei, die ihn brauchen.
Von Jesus haben die Leute auch mal ein Zeichen verlangt, erzählt die Bibel. Und Jesus hat sie ganz schroff abgewiesen: „Die Menschen dieser Generation sind böse", hat er gesagt. „Sie verlangen ein Zeichen. Sie werden kein Zeichen bekommen!" Wahrscheinlich wollten sie damals von Jesus ein Wunder sehen oder so etwas. Aber hätte das die Leute wirklich überzeugt? Es wurden ja damals von Jesus Wunder erzählt. Aber die, die ihm misstraut haben, die haben gesagt: Wahrscheinlich ist er mit dem Teufel im Bunde. Ich glaube, das hat Jesus genau gewusst: Wer misstrauisch ist und ein Zeichen verlangt, der ist eigentlich schon überzeugt von seinem Misstrauen. Da besteht die Gefahr, dass er jedes Zeichen auch immer mit Misstrauen sieht. Wer ein Zeichen verlangt, der ist kaum noch in der Lage, Vertrauen aufzubauen.
Wer auf Zeichen wartet, der braucht immer neue Zeichen. Der kann nie wirklich vertrauen. Ich fürchte, das ist so, wenn ich an meinen Glauben denke. Und das ist so, wenn ich an die Liebe denke. Wenn ich da misstrauisch nach Zeichen frage, dann brauche ich immer wieder neue Zeichen.
Also gibt es kein Zeichen? Keins für die Liebe? Keins für Gottes Liebe? Nichts, was mir hilft, zu vertrauen? Manchmal überfordert mich das.
Aber vielleicht gibt es sie ja doch: Meine Erfahrung ist - auf einmal, ganz unerwartet, sieht man sie, die Zeichen. Meistens erst im Rückblick und gerade nicht, wenn ich dringend ein Zeichen erwarte. Aber im Rückblick kann ich sie entdecken: Die Zeichen der Liebe. Den Segen Gottes, der mir beigestanden und mich stark gemacht hat. Der mein Herz fest gemacht hat, als ich nicht mehr weiter wusste.
Jesus hat damals gesagt: Das einzige Zeichen bin ich selber. Das haben die Leute auch erst im Nachhinein verstanden. Mir sagt das: Es tut nicht gut, auf Zeichen zu warten oder sie sogar zu fordern. Lieber will ich versuchen zurückzublicken und mich zu erinnern. Ich glaube, das gibt Vertrauen und Zuversicht - auch in schlimmen Zeiten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10283