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SWR1 3vor8

(zu Mt. 6, 24-34 - Lilien auf dem Felde...)

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche.  Einen schönen guten Morgen! Ich stell mir die Szenerie in etwa so vor: Jesus wandert mit den Seinen durch Galiläa. Sie haben wenig oder gar kein Geld, ihre Kleider sind auch nicht gerade fesch, zum Teil vielleicht sogar fadenscheinig oder gar löchrig. Und das ist der einen oder dem anderen vielleicht nicht recht. So wenig wie die Planlosigkeit mit der sie durch die Gegend ziehen. Ich denke dass das auch immer wieder mal Thema war unter ihnen und so stelle ich mir vor dass Jesus genau dazu die berühmt-berüchtigten Sätze gesagt hat die auch heute wieder in den katholischen Kirchen zu hören sind: „Sorgt Euch nicht um Euer Leben und darum ob Ihr etwas zu essen habt, noch um Euren Leib, dass Ihr etwas anzuziehen habt. Seht Euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; Euer himmlischer Vater ernährt sie." Na prima. So einfach. So naiv? Hatte Jesus keinen Blick für die toten Vögel am Straßenrand? Hat er nie gefroren? Oder konnte eine solche Haltung nur von einem exklusiven Zirkel kinderloser Vagabunden an den Tag gelegt werden, die von reichen Frauen unterstützt wurden?

Nein, auch dieser Text über die Sorglosigkeit der Christgläubigen darf nicht nur wortwörtlich genommen werden. Natürlich waren Jesus und die Seinen keine Gruppe naiver Weltfremdlinge. Und natürlich sollen Christen nicht ungepflegt und blind in den Tag hineinleben. Worum es Jesus ging ist sich nicht an den zwar notwendigen, aber oberflächlichen Dingen festzubeißen. Also sich nicht zu viel um Geld, Kleider oder den nächsten Tag zu kümmern. Sich nicht dauernd und um alles zu sorgen, sondern die Dinge auch zuversichtlich kommen lassen, geschehen lassen.

Ich kann mir Jesus nur als glücklichen Menschen vorstellen. Der sich vollkommen in Gott geborgen gefühlt hat. Und von daher in einer unglaublichen Freiheit gelebt hat. Reich Gottes hat er diese freie Geborgenheit genannt. Und die Menschen damit angesteckt. Menschen die eben verstrickt waren in ihre Sorgen, in äußere und innere Zwänge. Wie zu allen Zeiten. Und diese hat er mit den Naturbildern von den Vögeln am Himmel und den Lilien auf dem Felde etwas von seinem Grundvertrauen spüren lassen. Einem Grundvertrauen das von Alltagszwängen befreit und immer wieder hinführt zu dem was das Leben lebenswert macht: die Natur, die Gemeinschaft von Menschen, das Ruhen, Lieben, Beten oder Feiern...

Einen schönen Sonntag wünsch' ich Ihnen!

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