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SWR1 3vor8

Noch nicht mal im Stall dürfen sie bleiben, Josef, Maria und der neugeborene Jesus. Das Kind ist noch nicht lange auf der Welt, da müssen sie fort. Ins Ausland fliehen, nach Ägypten. König Herodes will das Kind töten. Die Bibel erzählt, dass ein Engel Josef im Traum warnt und entsprechend instruiert. Vielleicht war es auch Josefs Bauchgefühl. Eltern spüren ja meistens, wenn ihren Kindern Gefahr droht. Also verlassen sie den Ort, an dem das Kind geboren ist. Und der Junge erlebt schon ganz früh, was zum menschlichen Schicksal gehört: die Spannung zwischen Bleiben und Fortgehen, Heimat und Fremde. Für das Kind gemildert, weil seine Eltern dabei sind. Und auch der Esel, wenn man den vielen Bildern von der Flucht nach Ägypten glauben darf. Heimat und Fremde. Das kann eine belebende Spannung sein. Neues entdecken, neue Erfahrungen machen, andere kennenlernen und merken, dass Heimat haben nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist. Schwer ist das Fortgehen, wenn es zur Unzeit sein muß, sogar noch erzwungen wird, wie hier bei Jesus. Manche schaffen es, sich woanders neu zu beheimaten - auch wenn es Heimat auf Zeit ist - andere kommen dort nie an, bleiben fremd. Wie es Jesus und seinen Eltern in Ägypten geht, davon erzählt die Bibel nichts. Nur, dass Josef nach einer Weile wieder einen Traum hat; jetzt schickt der Engel ihn zurück, weil die Gefahr vorbei ist. Josef folgt wie beim 1. Mal und bricht wieder auf, diesmal zurück in sein Heimatland. Das Fest Weihnachten sagt ja: Gott ist Mensch geworden in Jesus. Und die Geschichte von Flucht und Rückkehr der heiligen Familie zeigt auch gleich, was das heißt: nämlich Leben zwischen Heimat und Fremde. Wir Menschen kennen inneres und äußeres Fortgehen, aufbrechen von heimatlichen Orten im buchstäblichen Sinn und vertrieben werden, rausmüssen aus innerer Heimat: Gedankenwelt, Glauben, Beziehungen. Daß Gott uns in diesen Bewegungen nicht allein lässt - den äußeren wie den inneren, davon spricht die Geschichte von der Flucht nach Ägypten - und auch von der Rückkehr. Ja, es gibt auch Rückkehr, und es gibt das andere, dass auch in der Fremde Heimat bewahrt wird. Etwas davon wünsche ich Ihnen heute an diesem 2. Weihnachtstag: Heimat, ob Sie zu Hause sind oder in der Fremde.

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