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SWR1 3vor8

Und du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei. (Micha 5,1)

Ob Jesus wirklich in Bethlehem geboren wurde, weiß man nicht genau. Es gab dort damals kein Einwohnermeldeamt. Dass er in Nazareth aufgewachsen ist, das ist sicher. Manche Historiker sagen, dort könnte er auch geboren sein.
Eigentlich kann er gar nirgends anders geboren sein als dort. In dem Städtchen, aus dem schon einmal ein großer König hervorgegangen war: David, der Hirtenjunge, der ein großer König wurde und das Land zu nie gekanntem Wohlstand geführt und Sicherheit und Gerechtigkeit hergestellt hatte.
Dieser besondere Ruf von Bethlehem, der hat sich seit damals erhalten. Und als David schon lange tot war und die Zeiten wieder schlecht, da hat ein Gottesmann den Leuten Hoffnung gemacht. Es wird wieder einer kommen, hat er gesagt, genau wie damals, ein Mann aus Bethlehem, der wird Frieden bringen und Gerechtigkeit. Dann werden wir unter Gottes Schutz sicher wohnen. Seine Worte wurden aufgeschrieben, sie stehen im Prophetenbuch Micha in der Bibel. „Und du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sei. Dann werden sie sicher wohnen, denn seine Macht reicht bis an die Enden der Erde." (Micha 5, 1 und 3)
Bethlehem also, von da wird der kommen, der in Gottes Auftrag den Weg zum Frieden zeigt und Gerechtigkeit schafft. In den evangelischen Gottesdiensten wird heute an diese Verheißung des Propheten erinnert. Bethlehem. Da kommt die Rettung her, Hilfe und Rat und Trost für die ganze Welt.
Die Leute, die Jesus kennen gelernt und mit ihm gelebt haben, die haben begriffen: das ist er. Er zeigt den Weg zum Frieden. Er zeigt den Weg zu Gott. Und wenn wir so leben und miteinander umgehen wie Jesus mit uns, dann wird es gerecht zugehen. Und alle Menschen können in Frieden leben. Jesus, das ist der, auf den die Menschen so lange gewartet haben. Er kann gar nirgends anders geboren sein, als in Bethlehem.
Heute singen wir „Zu Bethlehem geboren". Ich singe das besonders gern. Bethlehem, das erinnert mich: Gott kommt in kleinen Verhältnissen zur Welt. Klein fängt er an mit seinen Menschen, wenn sich etwas verändern soll. Klein fängt seine neue Welt an. Klein fängt alles an, was in seinem Namen geschieht. Die neue Welt Gottes kann man nicht von oben herab durchsetzen. Klein fängt es an: mit dem Glauben, mit dem Frieden, und mit der Liebe. Auch bei mir und vielleicht ja auch bei Ihnen.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten.

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„Die berühmteste ungewollte Schwangerschaft aller Zeiten" (Mt 1, 18-24) 

Es ist die berühmteste ungewollte Schwangerschaft aller Zeiten, von der heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Maria, ein Mädchen im damals heiratsfähigen Alter von 12-13 Jahren ist dem Josef versprochen. Eine rechtsverbindliche Verlobung deren Bruch mit der Steinigung, dem Tod bestraft wurde. Und dieses Mädchen ist schwanger, ohne mit ihrem Verlobten geschlafen zu haben. Ihr Verlobter ist ein so guter Mensch, dass er beschließt sich im Stillen von ihr zu trennen, damit er ihr nicht schadet.  Im Traum erscheint ihm aber ein Engel, der ihm sagt dass seine Verlobte durch den Heiligen Geist schwanger sei und dass sie den lang ersehnten Erlöser zur Welt bringen werde. Und Josef hört auf den Engel und nimmt Maria zu sich.
Was ist nicht schon gestritten und gespottet worden über diese Szene, die sogenannte Jungfrauengeburt! Eine ungewollte Schwangerschaft sei zu einem biologisch unmöglichen Wunder überhöht worden. Psychologen erklärten die Jungfrauengeburt als Wunschbilder die die Sehnsüchte der Menschen nach Erlösung ausdrücken. Und Religionswissenschaftler haben gezeigt in wie vielen Kulturen es Mythen von der göttlichen Zeugung eines Helden oder Herrschers gibt, in Griechenland oder Ägypten zum Beispiel. Was fang ich also an mit dieser unglaublichen Geschichte? Zuerst einmal muss ich versuchen sie in ihrer Zeit zu verstehen. Matthäus, der Verfasser dieser Geschichte wollte alles nur kein biologisches Wunder beschreiben. Das war für ihn völlig nebensächlich. Ihm, der rund 80 Jahre nach der Geburt Jesu gelebt hatte ging es darum die Geschichte eines Menschen dessen Leben, Botschaft und Tod so außergewöhnlich war wie nichts zuvor von seinen Anfängen her zu verstehen. Wie kann ein Mensch der den Tod überwunden hat und in den Herzen der Menschen weiterlebt in diese Welt gekommen sein? Für Matthäus konnte dieses außerordentliche Geschehen nur außerordentlich ausgedrückt werden: indem alle nur denkbaren Grenzen überschritten werden. Also das Mädchen wird nicht gesteinigt, Erde und Himmel treten in Kontakt durch einen Engel und der Erlöser wird vom Heiligen Geist gezeugt. Es geht also nicht um Biologie, bei der sogenannten Jungfrauengeburt, nicht ums Detail, sondern ums Ganze. Es geht um die große Frage ob ich mir vorstellen kann, dass es einen Gott gibt der seine Welt so sehr liebt, dass er selbst Mensch wird. Und es geht darum ob ich mich darauf einlassen kann, dass dieser Gott das Leben der Menschen umgreift und in ihr Leben eingreift. Wo auch immer, wann auch immer und wie auch immer...

Einen schönen 4. Advent wünsch' ich Ihnen

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