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SWR1 3vor8

„Es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Land üben wird." (Jer. 23,5)

 „Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit..." das ist das bekannteste und beliebteste Adventslied aus dem Gesangbuch. Das singe ich gern und erinnere mich an die glitzernden Adventskalender meiner Kindheit mit ihren Türchen und Törchen. Dann ergreift mich die Vorfreude auf die Weihnachtstage und ich überlege, was da alles kommt.
Bloß: ist das eigentlich gemeint mit diesem Lied? Advent heißt Ankunft, lernen die Kinder in der Schule. Aber wer kommt denn oder was? Die Besuche an Weihnachten oder die Wichtelgeschenke zu Nikolaus? -- „Der Herr der Herrlichkeit" heißt es im Lied. Wie soll ich mir den vorstellen?
„Es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Land üben wird." So hat vor mehr als 2 ½ tausend Jahren der Prophet Jeremia einen König angekündigt, den Gott selbst aussuchen würde. Einen Mann, der Recht und Gerechtigkeit übt. Dann würde die Welt eine andere werden. Heute wird über diese Ankündigung in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt. Und wahrscheinlich wird zur Sprache kommen: Noch heute fühlen sich viele ohnmächtig und ohne Chance, etwas aus ihrem Leben zu machen.
Wir Christen glauben, dass die Ankündigung des Propheten sich in Jesus erfüllt hat. Er ist der Spross, der Nachkomme der Könige, der Gerechtigkeit schaffen kann. Jesus hat mit seinem Leben gezeigt, wie die Gerechtigkeit aussieht, die das Leben gut machen kann. Er hat gezeigt, wie alle genug zum leben haben, wenn man bereit ist, zu teilen, was da ist.
Aber hat das etwas bewirkt? Seit Jahrhunderten feiern wir seine Geburt - Bloß die Gerechtigkeit, die fehlt immer noch in vielen Bereichen. Die Schere zwischen arm und reich, zwischen Gewinnern und Verlierern öffnet sich immer weiter, auch in unserem Land. Dass das nicht gerecht ist, finden viele. Keine Gerechtigkeit, 2000 Jahre nach Jesu Geburt. Müssen wir also auf einen anderen warten, der endlich aufräumt und auch den zu kurz Gekommenen Recht schafft?
Vielleicht fehlt vor allem, dass wir Jesus und seine Art der Gerechtigkeit in unser Herz hinein lassen. Dann könnte er uns bewegen und die Welt könnte sich wirklich verändern. Davon bin ich überzeugt. Denn ich glaube, wenn er Menschen bewegt, dann verändern sie sich. Können teilen und auch auf die anderen schauen und was die brauchen. Dann würde manches gerechter werden. Deshalb ist es vielleicht gut, auch den fünften Vers von „Macht hoch die Tür" zu singen. Der heißt: „Komm o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür die offen ist."

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